Druckschrift 
Repetitorium der Chemie : mit besonderer Berücksichtigung der für die Medizin wichtigen Verbindungen sowie des Deutschen Arzneibuches und anderer Pharmakopöen namentlich zum Gebrauche für Mediziner und Pharmazeuten
Entstehung
Seite
365
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Allgemeines über aliph. Verb. u. deren Benennung

365

freieK.W. nicht auftreten können (S. 360); dementspr. heißt z. B. das RadikalCH a ~CH~ Äthyliden oder Äthiden u. CH 3 ~CHC1 2 Äthylidendichlorid oderÄthylidenchlorid (s. oben); auch die Aldehyde haben Äthylidenstruktur, z. B.Acetaldehyd, CH 8 ""CH=0 ist Älhylidenoxyd.

Treten zweiwert. K.W.-Radikale substituierend auf, soWerden die Isoraorien wie vorerwähnt unterschieden, z.B. rCH 2 ~CH 2 ~)CH"~COOHÄthylenossigsäure, (CH 3 ~CH = )CH~COOH Äthylidenessigsäuro

Höchst verwirrend ist aber hier die Anw. der speziellen RadikalnamenÄthylen, Äthyliden usw. zur allg. Bezeichnung der Konstit. best, isomererVerb.; z. B. Äthylenmilchsäure bedeutet nicht durch Äthylen substit. Milch-säure, also C 3 H 4 (~CH 2 ~CH 2 ")O s , sondern (Milchsäure) C 3 tt 8 O a , von Äthylen-struktur, HO~CH,~CH s ~COOH, u. Äthylidenmilchsäure bedeutet Milchsäurevon Äthylidenstruktur, CH 3 =CH(OH)(COOH); gibt man solchen Verb, statt derspeziellen die allgemeinen Radikalnamen, z. B. Alkylen- oder Alkylidenmilch-säure, so werden Irrtümer vermieden (s. Milch- u. Bernsteinsäure).

4. Alkohole. Äther. Ester.

Alkohole sind K.W., in denen H-Atome durch HO-Gruppen (Hydro-xylgruppen, auch Hydringruppen genannt) ersetzt sind u. könnendementspr. als Verb, der K.W.-Radikale mit (je nach deren Wertigkeit) ein,zwei, drei usw. HO-Gruppen betrachtet werden.

Nach der Zahl der HO-Gruppen unterscheidet man ein-, zwei-, drei-wertige Alkohole usw., u. benennt sie durch Anfügen von „alkohol" oder„hydroxyd" an das betr. K.W.-Radikal. Z. B. istC 3 H 7 (OH) Propylalkohol, Propylhydroxyd, ein einw. Alkohol.C 3 H 6 (OH) 2 Propylenalkohol, Propylenhydroxyd, ein zweiw. Alkohol.C 3 H 5 (OH) 3 Propenylalkohol, Propenylhydroxyd, ein dreiw. Alkohol.

Isomere Alkohole unterscheidet man als prim., sek., tertiäre (S. 367).

Da fast alle Verb, mit mehr als einer HO-Gruppe an einem C-Atomunbeständig sind, so kennt man nur Alkohole mit höchstens ebenso vielenHO-Gruppen wie C-Atomen, also nicht z. B. CH^OH^.

Alkoholradikale heißen die in den Alkoholen mit der HO-Gruppeverbundenen K.W.-Gruppen, also die K.W.-Radikale (S. 361).

Alkoholreste heißen frei nicht bekannte Radikale, welche durch Weg-nahme von H-Atomen aus Alkoholen entstehen würden; man benennt siedurch Anfügen von „ol" an den Namen dos Radikals des betr. Alkohols,wenn die HO-Gruppen unverändert bleiben, z. B. ~C 3 H 6 (0H) Propylol,C 3 H 5 (OH) 2 Propylenol; erfolgt der H-Austritt aus HO-Gruppen, so werdensolche Alkoholreste durch Anfügen von „oxyl" an den Namen des betr.Radikals benannt, z. B. CH/O'Methoxyl.

Äther sind die Anhydride der Alkohole, entstanden durchHjO-Abspaltung aus den HO-Gruppen mehrerer Alkoholmol.; sie sinddie Oxyde der Alkoholradikale, wie die anorg. Basenanhydride dieOxyde der Metalle sind; wie von Hydroxyden einwert. Metalle zwei Mol.z ur Anhydridbild, nötig sind, so auch von Hydroxyden einwert. K.W.-Radikale ;

C 2H 5 "OH +C 2 H 5 -0H= H 2 0+C 2 H 5 -0-C 2 H 5 (Äthyläther).C 2 H s -OH + CH 3 "0H= H 2 0 + C 2 H 5 _ OXH 3 (Methyläthyläther).

) 2 + 2CH 3 (OH) = 2H 2 0 + C 2 H 4 (0-CH 3 ) 2 (Äthylendimethyläther).

Äther mit gleichen Radikalen heißen einfache, mit versch. Radikalengemischte; letztere Äther sind die Anhydride zweier versch. Akohole.

C 2 H 4 (0H) 2