Zweite Abteilung: Anorganische Chemie.
Konstitution, Substitution, Addition,
Die Erforschung der Konstitution anorg. Verb, ist trotzderen nieist einfachem Aufbau oft schwierige]', wie die organ. Verb. u. sinddaher oft ihre Konstitutionsformeln noch unsichere.
Da sich aber anorg. Verb, infolge ihres einfacheren Aufbaus auchohne Kenntnis der Konstitution künstlich leicht herstellen lassen u. Isomeriennur vereinzelt bekannt sind, so ist die Erforschimg d. Konstit. (s, S. 41)nicht von solcher Bedeutung wie bei den org. Verb. u. auch für die Einteilungder verhältnismäßig geringen Anzahl anorg. Verb, entbehrlich.
Substitution (S. 28) anorg. Verb, erfolgt meist indirekt, nament-lich wenn Atomgruppen gegen gleichwert. Atome ausgetauscht werden;z. B. läßt sich die als Derivat der Schwefelsäure, HO~S0 2 ~OH betrachteteAmidoschwefelsäuro HO"SO ä ~NH 2 , u. die als Derivat der Salpetersäure,0 2 ITOH betrachtete Chlorsalpetersäure 0 2 N~C1, nicht direkt aus den betr.Säuren darstellen; oft leitet man solche Derivate von Stammverb. ab, dienicht bekannt sind, so z. B. von der hypothet. Kohlensäure fi^CC^ u. derhypothet. Schwefligensäure, H 2 S0 3 .
Addition nimmt man eigentlich nur bei Bild, von Verb, an, die durchZusammentritt von versch. gesätt. Molekeln (d. h. von Mol. die keine freienWertigkeiten mehr besitzen) entstehen u. entweder als Doppelsalze oder alskomplexe Verb, auftreten (S. 31).
Wie substit. org. Verb, kann man aber auch substit. anorg. Verb,als Additionsverb, von best, unges. Atomgruppen (den Eadikalen)mit dem Substituenten betrachten u. benennen, z. B. AmidoschwefelsäureHO~S0 2 ~NH 2 als Aminosulfonsäure, Chlorsalpetersäure. 0 2 N~C1 als Nitryl-chlorid.
Allotropie und Isomeric,
Allotropie (S. 30) heißt die Eigenseh. d. Elemente in versch. Spiel-arten aufzutreten; die Röntgenoptik gestattet meist den Nachweis einerversch. Lagerung der Atome in den Mol. der versch. Modif.; die allotropenModif. eines Elements lassen sich meist ineinander überführen, wobei eineModif. als die beständigere auftritt (s. Stufengesetz S. 54).
Isomerie (S. 30) tritt fast nur bei C-Verb. auf; anorg. Isomeriensind z. B. die der Schwefligensäure, welche Derivate von HO'SO'OH u.H"S0 2 ~OH bildet, ferner der Untersalpetrigensäure HO'WN'OH u. desMtramids NEL/M),, u. der Metallamminsalze (S. 33); anorg. Polymerienkennt man vom Stickoxyd (N0 2 u. JS T 2 0 4 ) u. Ghlordioxyd (C10 2 u. C1 2 0 4 ).
Bestimmung der Zusammensetzung,Molekel- u. Konstitutionsformel.Zur Aufstellung der empirischen u. rationellen Molekelformel (S. Mu. 31) für eine jede ehem. Verb, ist, nachdem deren absolute Reinheit (S. 36)bewiesen wurde, folgendes zu bestimmen:
1. Die Elemente, aus denen die Verb, besteht (Qualität. Analyse)it. die Mengenverhältnisse der Elemente in der Verb. (Quantit. Analyse).