Druckschrift 
2 (1854)
Entstehung
Seite
148
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148 Myrrha.

terem, gewürzhaftem Geschmack und besonderem Gerüche. Aneine Flamme gebracht, schmilzt es nicht, sondern verbrennt sogleich.Zum grössten Theile wird es in Wasser mit gelbbrauner, trüberLösung, zum kleineren Theile in höchst rectificirtem Weingeist mitgelbbrauner Lösung gelöst. Es ist der aus der Rinde des obengenannten Baumes ausschwitzende Saft, welcher erhärtet aus Ara-bien zu uns gebracht wird.

Man hat die Myrrhe in verschiedenen Sorten der Reinheit und Auswahl imHandel.

Die Myrrha electa sind unregelmässige, häufig tropfenförmige, unebeneStücke von verschiedener Grösse. Aussen sind sie rauh, trübe, selten glänzend,öfters mit feinerem Pulver bestäubt, die kleineren tropfenförmigen Stücke, welcheausgesucht als Myrrha in granis verkauft werden, kommen in allen Schattirun-gen, von Braungelb bis Röthlichbraun, vor. Es kann übrigens bei der grösstenSorgfalt für Waaren nicht verlangt werden, dass eine solche Auswahl getroffenwerde. Der Geruch ist eigenthümlich und hat mit keinem anderen GerücheAehnlichkeit. Der Geschmack ist bitter gewürzhaft. Beim Käuen bleibt sie anden Zähnen hängen. Der Speichel wird gelblich, fhilchig. Das specif. Gewichtist 1,300. Bruch uneben und schwach splittrig.

Die Myrrha naturalis oder in sortis besteht aus den Stücken der eben be-schriebenen ausgelesenen Myrrhe, reichlich vermischt mit unscheinbaren, dunkle-ren, nicht durchsichtigen Stücken, die aus mehreren kleineren zusammengebackenerscheinen. Sie geben sich als Producte derselben Art, welche durch Zufäll odergrössere Sorglosigkeit mit fremdartigen Körpern durchsetzt sind. Dass, wenn mandie schöneren, reineren Stücke herausliest, eine noch geringere Waare als dienaturali? hervorgebracht werden könne, ist einleuchtend. Eine solche Waaresollte jedoch nicht in der Olficine vorkommen, und so wie man nicht verpflichtetist, nur die reinen Stücke aus guter, natureller Myrrhe auszulesen, ebenso istist man nicht berechtigt, eine Waare anzuwenden, aus welcher die schönstenStücke bereits ausgelesen sind.

Die Myrrhe besteht aus einem ätherischen Oele, einem harzigen und gum-migen Bestandtheile.

Das ätherische Oel ist farblos, wird aber mit der Zeit gelb; es ist dünn-flüssig, riecht wie Myrrhe, schmeckt anfangs milde, dann balsamisch, campher-artig. In der Lulf verdickt es sich zu einem Firniss. Es lässt sich nicht mitSpiritus überdestilliren. Dieses Oel ist sehr geneigt, sich mit Sauerstoff zu ver-binden, wobei es, nach Bley und Diesel, eine saureReaction annimmt, woraussich die Erscheinung erklärt, dass eine an ätherischem Oele arme Myrrhe immereine starke saure Reaction zeigt, während dies bei einer guten, an ätherischemOele reichen Myrrhe nie gefunden wird. Aus diesem Grunde ist eine gute Auf-bewahrung der Myrrhe zu empfehlen. Das ätherische Oel beträgt, nach Bestim-mung der oben Genannten, zwischen 1,0 und 8,10 Procent.

Das Myrrhenharz kann durch Weingeist ausgezogen werden. Das vomWeingeist gelöste wird <lu rc h Aether in zwei verschiedene Harze getrennt; derin Aether lösliche Anüieil beträgt ungefähr 5% Procent, und der im Aether un-lösliche Theil 22 Procent vom Gewichte der Myrrhe. Der Rest ist der gum-mige Bestandtheil. Er bleibt, nach Ausziehung des Harzes, durch Weingeist alsein weissgraues Pulver übrig. Es erscheint anfangs geschmacklos, hintennachschmeckt es aber gewürzhaft.

Das Gummi macht den grössten Theil des wässerigen Extractes aus. Doch