Druckschrift 
Bernatzik-Vogl's Lehrbuch der Arzneimittellehre : mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen und deutschen Pharmakopoe
Entstehung
Seite
334
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

^■■■■■■■■■■■■»■■fc

334

IV. Adstringentia et Balsamica.

Krankenstube mit Theerdämpfen imprägnirt ist. Zur Bindung der im Theer enthaltenenEssigsäure setzt man etwas Kreide oder Asche zu. Im Anfange darf nur wenig Theerzur Verdampfung gelangen, weil sonst leicht Eingenommenheit des Kopfes, Schwindelund Husten sich einstellen. Reclrim stellt jedoch den therapeutischen Werth dieser Medi-cation in Frage.

Die häufigste Anwendung findet der Theer theils allein, theils inVerbindung mit Seifen (in Form flüssiger und fester Theerseifen), mitstarren Fetten (Theersalben), fetten Oelen, Glycerin (Theerlinimenten)oder alkoholischen Flüssigkeiten (Theertineturen) in den verschiedenstenMischungsverhältnissen bei einer Reihe chronischer Hauterkrankungen,namentlich Eczemen, Psoriasis und Prurigo. Weniger leistet derselbebei Lupus erythematodes, Ichthyosis, Favus u. a. Ausserdem werdenTbeer und seine Präparate verwendet in Salben- und Linimenten gegenparasitäre Hautaffectionen, auf ulcerirende Hautausschläge und septischeGeschwüre, in flüssiger Form (Theervvasser) als milde adstringirendes,secretionsbeschränkendes und antiseptisches Mittel zu Verbänden, Waschun-gen, Umschlägen, zu Injectionen in fistulöse Canäle, in die Harnröhre,Vagina und Blase, insbesondere bei blennorrhoischen und ulcerösenErkrankungen derselben, in Pflastern als Eeizmittel für die Haut beirheumatischen Leiden und zur Heilung der erwähnten Ausschläge, auchin Form von Streupulvern und Fumigationen als parasiticides, anti-septisches und desinficirendes Mittel.

Nencki und Sieber (1891) empfehlen den Coniferentheer als solchen und in ver-schiedenen Präparaten als Desinficiens für die grobe Desinfection, statt dsr Carbolsäure,als billiger, jedermann leicht zugänglich und weniger giftig.

Theer bildet einen wesentlichen Bestandteil der Schwefelsalbe,Unguentum sulfuratum, Ung. ad scabiem Ph. A. Zur Dar-stellung derselben werden in eine Mischung von je 60,0 bei gelinderWärme geschmolzener und durchgeseihter Kaliseife und Schweinefettmittels eines Siebes 30,0 Schwefelblumen und 20,0 Kreidepulver ein-getragen und zuletzt 30,0 Theer unter Verreiben zugesetzt. Man be-dient sich derselben gegen die vorerwähnten Hautausschläge, insbeson-dere gegen Krätze, da die Salbe gleichzeitiges Eczem am schnellstenbeseitigt.

Biese Bereitungsvorschrift ist eine Modification der ursprünglichen Wilkinson-sehen Salbe, Unguentum Wilkinson (Picis Fagi liq., Sapon. dorn., Axung.porc, Flor. Sulfuris ana 100,0, Cretae 60,0, Ammon. sulfurati 4,0) nach Bebra.

Sapo Picis, Theerseife, eine Mischung von 1 Fix liq. mit 7 Sap. Venetus(Ph. A. Ed. VI.). Zu Einreibungen bei den oben erwähnten Hautkrankheiten und zurBereitung milder Theerbäder (100,0—200,0).

Aqua Picis, Theerwasser. Ph. Germ. 1 Th. Theer mit 3 Tb. gröblichgepulv., gewaschenem Bimsstein gemischt und von dieser Mischung zur Bereitung desTheerwassers 2 Th. mit 5 Th. Wasser fünf Minuten lang geschüttelt und filtrirt. Theer-wasser ist klar und hat eine gelbliehe bis bräunlichgelbe Farbe und Geruch sowie Ge-schmack des Theers. Aufbewahrt färbt es sich dunkler und bildet einen Bodensatz.Daher wird es bei jedesmaligem Bedarfe frisch bereitet oder doch nur für kurze Zeitvorräthig gehalten.

Intern zu 1 bis mehreren Esslöffeln mehrmals täglich für sich oder mit Zucker,Milch, Kaffee, Wein etc. gegen die oben angeführten katarrhalischen Affectionen mitNeigung zur Sepsis, dann bei Hydrops und chronischen impetiginösen Erkrankungen:gegen diese auch extern in Form von Waschungen, Umschlägen, dann zu Injectionenund Inhalationen (zerstäubt und in Dampfform).

Das Schiffspech hat man gleichfalls wie den Theer intern bei katarrhalischenAffectionen benützt, extern als Depilatorium (bei Favus), als Hautreizmittel in Formdes Gichtpapieres (siehe oben), Charta resinosa, Ch. picea (Papier überstrichen miteiner bei massiger Wärme geschmolzenen Mischung von Pix navalis, Besina communis,