w^
160
I. Prophylactica.
wenig (in 1100—1200 TL), leicht in Alkohol, Aether, Chloroform,Schwefelkohlenstoff und Essigsäure löslich.
Die wässerige Lösung sei neutral und darf durch Eisenchlorid-lösung nicht violett gefärbt werden.
In Indien steht das Thymol als äusserliches Heilmittel längst inVerwendung. Pacquet hat (1868) zuerst auf seine fäulnisshemmendeWirkung hingewiesen und es unter anderem in wässeriger Lösung stattPhenol zum antiseptischen Verband benützt.
In der That besitzt das Thymol nach neueren Untersuchungenganz erhebliche gährungs- und fäulnisshemmende Eigenschaften.
L. Lewin (1875) fand, dass schon eine 1 l 10 °/ 0 ige Lösung hinreicht, die alkoho-lische und Milchsäuregährung aufzuhalten. Nach Samter (1887) ist es als keimtödtendesMittel (eigentliches Antisepticum) bei weitem weniger wirksam als die Salicylsäure,dagegen übertrifft es in kolyseptischer Hinsicht (d. h. in Hinsicht auf die Immunmachungeines geeigneten Nährbodens) bei weitem diese, sowie Carbolsäure. Es genügt ein Zusatzvon 5,0 einer 1 pro Mille-Lösung, um in 10 Ccm. Nährgelatine das Wachsthum vonStaphylococcus aureus zu hindern, ja sogar von 3,0. um Milzbrandwachsthum darinunmöglich zu machen; für Eiterkokken trat der Anfang der Behinderung schon ludeiner Verdünnung von 1 :4000. für Milzbrand hei einer solchen von 1 : 10.000 undvollständige Aufhebung des Wachsttiums für Eiterkokken bei einer Verdünnung von1 : 3000. für Milzbrand bei 1 : 4000 ein.
Auf Wirbelthiere wirkt das Thymol fast lOmal weniger giftig einals das Phenol, nähert sich in seiner entfernten Wirkung mehr jenerder ätherischen Oele als der des Phenols, und namentlich fehlen dieeigenthümlichen Muskelkrämpfe (Husemann). Auch örtlich wirkt esschwächer, indem es auf Schleimhäuten wohl Entzündung, aber keineeigentliche Aetzung hervorruft. Es wird im Harn zum Theil als Aether-schwefelsäure eliminirt.
Intern ist es empfohlen worden als Antipyreticum, bei acutemGelenksrheumatismus, Typhus, gegen Diabetes, bei abnormen Gährungs-proeessen im Magen und Darm, sowie als Anthelminthicum. In letztererBeziehung bezeichnet es A. Lutz (1888) als sicher wirkend gegenAscaris lumbrieoides, Oxyuris vermicularis , Trichocephalus dispar,Ankylostoma duodenale und Tänien. Vor anderen Tänienmitteln habees den Vortheil, dass es in Kapseln leicht zu nehmen und unveränder-lich ist.
Als Antipyreticum zu0,5 —1,0 p. dos. inPillen, Emuls.,Pulv. (Oblat.);ebenso bei Diabetes (2,0—5,0 pr. die; Martini, Bufalini). Bei Ankylo-stomiasis nach Bozzolo in grossen Dosen, 10,0—12,0 täglich, nachA. LuJz(1885) am besten in einmaliger massiger Dosis, nach Vorbereitung desDarmes durch Oalomel etc., schnell, sicher und ohne Nachtheile wirkend.»Sonst zu 0,05—0,1 p. dos. m. t. in Mixturen, alkoholischer Lösung oderin Pillen.
Extern zur Wundbehandlung statt Carbolsäure in einfacherwässeriger Lösung (1: 1100—1200), besser in wässeriger Lösung unterZuhilfenahme von etwas Alkohol und Glycerin (1,0 Thymol, 10,0 Spir.Vin., 20,0 Glycer., 1000,0 Aq., sogenanntes Thymolwasser, Bänke).
Der Geruch des Thymols ist wenigstens in kleinen Mengen entschieden angenehme!'als jener des Phenols; bei längerer Anwendung, zumal in grösserer Menge, aber wirdes vielen Personen sehr unangenehm und durch die Eigenschaft, Fliegen stark an-zulocken, sehr lästig. Diese Umstände, sowie die geringe Löslichkeit im Wasser, derhohe Preis, resp. die Schwierigkeit der Beschaffung grösserer Quantitäten dieses Kör-pers werden als Nachtheile dem billigen, wenn auch giftigeren Phenol gegenüber hervor-gehoben.