Druckschrift 
1 (1913)
Entstehung
Seite
101
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

101

XI. Über Papilionaceen, in denen statt der Phasine sichHämolysine finden.

Ich habe schon wiederholt angegeben, dass einzelne Phasineauf einzelne Blutarten, namentlich bei Anwendung stärkererKonzentrationen, nicht nur nicht agglutinierend, sondern hämoly-tisch wirken. Es scheint nun einzelne Papilionaceen zugeben, bei denen die nach Phasinmanier dargestellteSubstanz sämtliche mir bequemer zugänglichen Blut-arten nur hämolysiert, man mag die Konzentration wählen,wie man will.

Zum Verständnis der nicht pharmakologischen Leser dieserArbeit muss ich hier bemerkend einschieben, dass es mehrereGruppen vegetabilischer Stoffe gibt, die in isotonischen Salzlösungensuspendierte rote Blutkörperchen auflösen. Es sind vornehmlichdie folgenden:

1. Die Glykoside der Saponingruppe besitzen, wieich 1 ) vor 25 Jahren gefunden habe, fast ausnahmslose starkehämolytische Wirkung; bei einigen geht sie bis über 1:100000.

2. Die Alkaloide der Solaninpruppe; diese sind nämlichgleichzeitig Saponine. Auch hier ist die Stärke der hämolytischenWirkung beträchtlich.

3. Einige Glykoside der Digitalingruppe, d. h. derdie Herztätigkeit im Sinne der Digitalis purpurea beeinflussenden,z. B. Gitalin und Helleborein. Diese beiden Stoffe bildensozusagen die Brücke zwischen der Gruppe der Saponine undder der digitalinähnlichen Herzgifte. 2 )

4. Die Alkalisalze einiger stickstofffreien Harz-säuren, namentlich die der Agarizinsäure des Lärchen-schwammes. Diese von Hideo Nogtjchi 3 ) gefundene Tatsachescheint gar keine Beachtung gefunden zu haben. Ich 4 ) habevor kurzem von ganz anderen Gesichtspunkten aus den Lärchen-

*) Arch. f. exp. Pathol. u. Pharm. Bd. 23, 1887, S. 233.

2 ) R. Kobbrt, Über die wirksamen Bestandteile und die Verordnungs-weise der Digitalis. Korresp.-Bl. des Mecklenburgischen ÄrztevereinsbundesJahrg. 1912, No. 333.

3 ) The antihaemolytic action of blood, sera, milk and Cholesterin uponagarizin, saponin and tetanolysin. Reprinted from the University ofPennsylvania Medical Bulletin 1902, Nov.

*) Über die pharmakologische Bedeutung und die biologische Wert-bestimmung der Sassaparillen und ihnen verwandter Drogen. Bericht d.Deutschen Pharmazeut. Gesellsch. Jahrg. 22, 1912, Heft 4, S. 240.