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VII. Über Krotin.
Aus der Literatur ist ersichtlich, dass vereinzelt eineVerunreinigung von Futterstoffen, namentlich von Erdnusskuchen,durch Krotonsamen vorgekommen ist, und dass diese Kuchendadurch schwere Vergiftung veranlassten.
Da Kroton in landwirtschaftlichen Kreisen eine recht un-bekannte Droge ist, so muss ich etwas weiter ausholen.
1. Historisches und Botanisches über Kroton.
Croton Tiglium gehört wie Eicinus communis zu denEuphorbiaceae. Es ist ein kleiner, im südlichen Ostindien,Malabar, Cochinchina. den Molukken und auf Amboina ein-heimischer, aber auch in Ostindien, auf Ceylon, in China, aufden Sundainseln, den Philippinen und in Mauritius kultivierterStrauch. Die Frucht ist eine elliptische Kapsel mit zerbrechlicherSchale. Die zu drei in der Frucht enthaltenen Samen werdenals Grana Tiglii oder Semen Crotonis bezeichnet. Sie sindin bezug auf Grösse und Gestalt den Rizinussamen sehr ähnlich,sind aber weniger schön gezeichnet, sondern sehen schmutzig-grau oder hellbraun aus. Die Schalen betragen durchschnittlich31.6 °/ 0 und der Kern 68.4% der Samen. Nur der Kern istwie bei Rizinus der Träger der Giftwirkung. Die Blätter, dieWurzel und der Stamm des Baumes sollen ebenfalls giftig sein:ich kann für die Richtigkeit dieser Angaben aber nicht einstehen.
Die Geschichte der Verwendung der Krotonsamen als Arzneireicht in Indien nach B. W. Dymock mindestens ein Jahrtausendzurück. Alle Einzelheiten darüber habe ich durch meinen SchülerE. v. Hirschheydt *) zusammenstellen lassen. Wie die Kerneder Rizinussamen, so bestehen auch die der Krotonsamen zumehr als der Hälfte aus fettem Öl.
2. Über das Krotonöl und seine Wirkungen.
Das Krotonöl scheint zuerst in Indien zu arzneilichenZwecken dargestellt und angewandt worden zu sein. Es eroberteeinen Platz in allen Pharmakopoen und ist daraus leider bisheute noch nicht wieder entfernt worden, obwohl es ungemeinstark giftig wirkt und es als Arzneimittel völlig entbehrlich ist.
x ) Über die Krotonolsäure R. Buchheims, Arb. d. pharmakol. Inst, zuBorpat, herausgegeben von R. Kobert, Bd. 4, 1890, S. 5.