III.
Aromatische Verbindungen oder Benzolderivate.
Beim heutigen Stande der experimentellen Forschung ist man be-rechtigt das System der Kohlenstoffverbindungen als ein einheitlichesGanzes 'zu betrachten (vgl. S. 390). Denkt man sich die einzelnen Ver-bindungen in die Felder eines grossen Netzes eingeordnet, so muss manin dessen obere linke Ecke die einfachsten und zugleich an fremdenElementen procentisch reichsten Substanzen, das Methan CH 4 , Kohlen-dioxyd C0 3 , sowie ähnliche eintragen — während in der diagonal ent-gegengesetzten unteren rechten Ecke das Molecül des aus sehr vielenAtomen (S. 1) zusammengesetzten elementaren Kohlenstoffs mit seinenverschiedenen Modificationen und dicht daneben die vom Wasserstoff,Sauerstoff und Stickstoff nahezu befreiten Körper, wie Anthracit undSteinkohle weniger nahe auch die Braunkohlen ihren Platz finden. Reihtman nun zwischen diese beiden Endpunkte des Systems alle übrigenorganischen Stoffe nach ihren wichtigsten genetischen Beziehungen ein,dann gelangt man, vom Methan oder vom Kohlendioxyd, den möglichstgesättigten Kohlenstoffverbindungen, in der Richtung der Diagonalefortschreitend, durch eine lange und bisweilen recht complicirte Con-densationsreihe hindurch zuletzt zur Kohle, zum elementaren Kohlen-stoff. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die für die Pflanze und denThierkörper unentbehrlichsten Verbindungen, vor allen die Fette, Kohlen-hydrate und Eiweisskörper aus einer derartigen Condensation des Kohlen-dioxyds mit ganz elementaren Verbindungen, wie Wasser und Ammoniak,hervorgegangen sind. Indem dann die Pflanzen- und Thierstoffe bei denProcessen der Fäuiniss oder der Vermoderung die angelagerten Elementewieder abgeben, scheidet sich als Endproduct die Kohle in ihren ver-schiedenen Formen ab. Ein Theil des Kohlenstoffs wird dabei wiederin Kohlendioxyd (oder Methan) übergeführt und mit diesen kann dieCondensation sofort wieder beginnen; für die andererseits abgeschiedeneKohle ist die Verbrennung durch den Sauerstoff der Luft die notwen-dige Vorbedingung zu erneutem Leben.
Wie man früher ohne Rücksicht auf ein derartiges „natürlichesSystem" der Kohlenstoffverbindungen, und auch jetzt noch in manchenFällen, chemische Verbindungen nach ihren äusseren Eigenschaften classi-ficirt, indem man beispielsweise die ätherischen Oele, Harze, Bitterstoffe,Farbstoffe für sich abhandelte, so bezeichnete man eine Anzahl kohlen-