IV.
Heterocyklisclie Verbindungen.
Die in diesem Hauptabschnitt der organischen Chemie behandeltenheterocykuschen" Verbindungen sind geschlossene ringförmige Atom-complexe deren Ringe nicht nur durch Kohlenstoffatome gebildet werden,wie das bei hydrocyklischen und aromatischen Substanzen der Fall ist,an deren Ringschliessung sich vielmehr neben dem Kohlen-stoff noch Stickstoff, Sauerstoff und Schwefel betheiligen(S. 64). Das Ziel, dem sich die heutige Kohlenstoffchemie immer mehr
nähert __ ein durchaus einheitliches, durch die genetischen Beziehungen
aller darin enthaltenen Körper enge verknüpftes und daher natürlichesSystem — wird späterhin die gesonderte Behandlung der hier zubesprechenden Substanzen ebenso überflüssig erscheinen lassen, wie auchdiejenige der aliphatischen, hydrocyklischen und aromatischen Verbin-dungen (vo-1. S. 390 und 441); bis dieses Ziel vollkommen erreicht ist,erscheint jedoch eine solche Einzelbetrachtung für die bequemere Ueber-sicht noch zweckmässig. Eine vollständige Trennung ist aber, gerade inFolo-e der verwandtschaftlichen Beziehungen, die das ganze System ver-binden kaum durchführbar: denn nach der eben gegebenen Definitionder heterocyklischen Gruppe, wie auch durch ihr Verhalten gehörenhierher z. B. die Anhydride zweibasischer Säuren (Bernsteinsäure-anhydrid, Glutarsäureanhydrid und deren zahlreiche Alkylderivate,S 193 f) ebenso die Salze zwei- und mehrbasischer Säuren mitmehrwerthigen Metallatomen, ferner die Lactone von y- und 8-Oxy-säuren (■y-Butyrolacton S. 179, 8-Caprolacton S. 180, Lactone der Zucker-gruppe S. 258 u. s. w.); als heterocyklische Verbindungen im strengstenSinne des Wortes sind auch zu betrachten die Harnsäure (S. 336)und ihre zahlreichen interessanten Spaltungsproducte, deren speciclleBesprechung man naturgemäss nicht wohl von derjenigen des Harnstoffsund von dessen alkylirten acidylirten Derivaten wird absondern wollen.
Die Fähigkeit, sich in directer Bindung gleichartiger Atome zugrösseren Complexen zu vereinigen, besitzen Stickstoff (Azoimid), Schwefel(elementares Molecül) und Sauerstoff (Ozon) ebenso, wie noch anderenichtmetallische Elemente. Keines dieser Elemente vermag indessen dieCH- und CH -oruppen offener und geschlossener Kohlenstoffketten oderRinge in o-leich mannigfaltiger Weise zu ersetzen, indem dabei die Be-ständigkeit und damit auch das Bildungsbestreben des Ringes möglichstwenig 0 verringert wird, wie gerade der Stickstoff, bald als N (anStelle von CH eintretend), bald als NH (dann meistens eine CH 2 -gruppesubstituirend). Die stickstoffhaltigen heterocyklischen Ringe — voranPyrrol Indol, Pyridin und Chinolin mit ihren Derivaten — besitzen