Ehodanwasserstoff.
375
Thiacetsäureanhydrid (Acetylsulfid), CH 3 -COS-CO'CH 3 . Aus Essigsäure-anhydrid und P 2 S 5 , oder aus Acetylchlorid und K 2 S. Bei 121° siedende Flüssigkeit, inWasser unlöslich. Acetyldisulfid, CH 3 -COS-S-COCH 3 . Durch Einwirkung von,1 3 auf 2 Mol. CH 5 -CO-SNa, sowie bei der Electrolyse der Thiacetsäure.Thiosäuren mit der Gruppe "CS'OH sind bisher nicht bekannt.
Stickstoffhaltige Schwefelverbindungen.
Thiocyansäure, Tbiocyanate und Isothiocyanate.
Thiocyansäure oder Rhodanwasserstoff, CN • SH oder CS : NH.Cyanmetalle nehmen sowohl beim Schmelzen, wie auch in wässrigerLösung, ein Schwefelatom auf unter Bildung von Rhodaniden:CN"K 4- S == CN - SK (während Sauerstoffanlagerung an die Cyanmetalledie abweichend constituirten Isocyanate, z. B. CO: NK, liefert).
Durch Versetzen von Rhodankalium mit conc. Salzsäure oder starker Schwefel-säure in der Kälte und Destillation im Vacuum unter starker Abkühlung lässt sich eine30procentige Rhodan wasserstoffsäure gewinnen. Leitet man stets im Vacuumarbeitend den feuchten Dampf der Säure über CaCl 2 , das man auf 40° erwärmt, sokann man in einer stark abgekühlten Vorlage die wasserfreie Säure als schwach gelblicheFlüssigkeit von sehr scharfem Geruch condensiren, die sich nach Entfernung der Kälte.
misehung __ ganz wie die Cyansäure — unter starker Erhitzung zu einem gelben,
festen amorphen Körper polymerisirt. (B. 20, R. 317). Die freie Säure zersetzt sichleicht'in CNH und C 2 N 2 S 3 H 2 (Perthiocyansäure).
Rhodankalium (Sulfocyankalium), CN-SK. Durch Zusammenschmelzen vonFerrocyankalium Pottasche und Schwefel, oder von CNK und S ; krystallisirt aus Alkoholin zerfliessHchen Säulen oder Nadeln. — Rhodanammonium (Sulfocyanammonium),CN'S(NHA Aus Blausäure und gelbem Schwefelammonium, oder durch Erwärmen vonCS 2 mit alkoholischem Ammoniak: CS 2 + 4NH 3 = CN-S-NH 4 -f- (NH 4 ) 2 S ; zerfliessliche,in Alkohol leicht lösliche Blättchen oder Tafeln, die bei 159° schmelzen und durchlängeres Erwärmen auf wenig höhere Temperatur in den isomeren Thioharnstoff,NH 2 • CS -NH 2 (s.u.), übergehen. — R h o d a n <i u e ck s i lb e r, (CNS) 2 Hg, aus Lösungenvon CNSK und Hg(N0 3 ) 2 als weisser Niederschlag, der getrocknet beim Erhitzenstark anschwillt (sog. Pharaoschlange). — Rhodansilber, CN-SAg, weisser Niederschlag,zum Titriren des Silbers brauchbar (als Indicator dient schwefelsaures Eisenoxyd mitschliesslicher Kothiärbung); gibt mit CNJ das stechendriechende, bei 65° schmelzendeCyansulfid, (CN) a S, rhombische Blättchen. — Rhodaneisen, (CNS) 8 Fe -f- 3 H 2 0,schwarzrothe Würfel, in Wasser mit intensiv blutiother Farbe löslich (Eeaction auf Eisen).Von der Thiocyansäure leiten sich, ganz wie von der Cyansäure, zwei isomereGruppen von Estern ab:
1. Thiocyansäureester, CX'S-R, in Wasser unlösliche, lauchartigriechende Flüssigkeiten, entstehen durch Einwirkung von CXC1 aufMercaptide M - S ' R, oder durch Destillation concentrirter Lösungen vonRhodankalium mit ätherschwefelsauren Salzen, oder endlich aus CNSKund rlalogenalkylen. Naschender Wasserstoff spaltet sie (im Unterschiedvon den Senfolen) in Mercaptane und Blausäure; Verseifung mit alko-holischem Kali gibt Rhodankalium.
Rhodanmethyl, CN ■ S • CH,; Sdp. 133». Rhodanäthyl, CN'S-C.,11,.Sdp. 142°. Rhodanallyl, CN 'S' C 3 H S . Sdp. 101°. Verwandelt sich in der Kälte langsam,beim Kochen rasch in das damit isomere Allylsenföl; auch Rhodanmethyl und Rhodan-äthyl geben durch intramoleculare Umlagernng beim Erhitzen die isomeren: