550
Disaccharide.
i
l
'•i
einbasische Säuren C 12 H 22 0 12 , Lacto- und Maltobionsäure (S. 553)geben (B. 21, 2633; 22, 361). Im Rohrzucker dagegen, der nichtreducirt und kein Osazon bildet, scheinen beiderseits die reducirendenGruppen des Trauben- und Fruchtzuckers gebunden zu sein.
Die Hydrolyse der Saccharobiosen wurde bereits bei dergeistigen Gährung S. 122 eingehend besprochen; sie wird bewirktdurch ungeformte Fermente oder Enzyme, wie Diastase (S.564) und Synaptase oder Emulsin, das in süssen und bitteren Man-deln enthalten ist.
Aehnlich wirkt das lösliche Ferment des Speichels: Ptyalin,des Bauchspeichels: Pankreasdiastase und anderer thierischer Se-crete, sowie das Invertin, das die rechtsdrehende Rohrzuckerlösungin eine linksdrehende Invertzuckerlösuxxg umwandelt (S. 122).
Aehnlich den Enzymen können auch verdünnte Säuren dieHydrolyse der Di- und Polysaccharide bewirken, z. B. die Inver-sion des Rohrzuckers. Die Schnelligkeit der Reaction steht nachOstwald in genauer Beziehung zu der Afflnitätsgrösse der Säuren(J. pr. Ch. [2] 31, 307).
Bei längerem oder zu starkem Erhitzen mit Säuren findet eineBe Version statt, indem die Glucosen, namentlich Frnctose, einerückläufig'e Condensation zu dextrinähnlichen Substanzen erleiden (B.23, 2094).
Rohrzucker, Saccharose, Saccharobiose Cj 2 H 22 0 11 , der wichtig-ste Zucker, findet sich im Safte vieler Pflanzen, namentlich im Zucker-rohr, Saccharum ofßcinarum (20 pct. des Saftes), in einigen Ahorn-arten, in der Zuckerhirse Sorghum saccharatum, in den Runkel-rüben Beta maritima (10—20 pct.), aus denen er fabrikmässig' dar-gestellt wird, und in vielen Pflanzensamen (B. 27, 62). Währenddie Hexosen hauptsächlich in den Früchten vorkommen, ist derRohrzucker meist im Stamme der Pflanzen enthalten.
Geschichte. Die Gewinnung des Bohrzuckers aus Zuckerrohrgeht bis in die ältesten Zeiten zurück. Im Mittelalter gehörte der Rohr-zucker in Deutschland noch zu den Seltenheiten, erst nach der Entdeckung-Amerikas wurde er allmählich als Versüssungsmittel eingeführt. 1747 fandMarggraf 1 ) in Berlin den Bohrzucker in der Zuckerrübe auf und seineBeobachtungen bildeten die Grundlage der Rübenzucker-Industrie, 1801errichtete Achard auf dem Gute Cunern in Schlesien die erste Bunkel-rübenzuckerfabrik. Die von Napoleon I. verhängte Continentalsperre för-derte die Entwickelung der jungen Industrie, die im Laufe der letzten50 Jahre eine immer sich steigernde Bedeutung als landwirthschaftlichesGewerbe für Deutschland gewann, das etwa 1 j i des säramtlichen auf der
1) Ein Jahrhundert chemischer Forschung unter dem Schirme derHohenzollern von A. W. Hof mann, 1881.