Druckschrift 
1 (1894) Die Chemie der Fettkörper
Entstehung
Seite
463
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Nitroglycerin.

463

Die /J-Dilialogeilhydrine entstellen durch Addition von Halogenan Allylalkohol. /M>ielilorliydrin, Sdep. 182—183°, spoc. Gew. 1,3799 (0°).Durch Natrium wird es in Allylalkohol übergeführt; durch HJ Säure ent-steht Isopropyljodid. Durch rauchende Salpetersäure wird es zu oe/?-Di-chlorpropionsäuro oxydirt. Kali- oder Natronlauge wandeln es wie dasa-Dichlorhydrin in Epichlorhydrin um, /i-JMbromJiydrin, Sdep. 212—214°.

Trllialogenhydrine entstehen aus Allylhalogeniden durch Additionvon Halogen, aus Dihalogenhydrinen durch Halogenphosphorverbindungen,und durch Einwirkung von Chlorjod auf Propylenchlorid, Brom und Eisenauf Propylenbromid und Trimethylenbromid (B. 24, 4246).

Tricliloiliydrin CH 2 C1.CHC1.CH 2 C1, Sdep. 158°. Trihromhydrln, Schmp.16—17°, Sdep. 219—221°, liefert mit Silberacetat den Triacetylester desGlycerins, aus dem durch Verseifen Glycerin gewonnen w-erden kann (S. 461).

b. Giycerinester sauerstoffhaltiger Mineralsäiireii.

Von den Mineralsäureestern des Glycerins ist der 1847 vonSobrero entdeckte neutrale Salpetersäureester: das sog. Nitro-glycerin bei weitem der wichtigste.

Nitroglycerin, Glycerinnitrat CH 2 (ONO 2 ).CH(ONO 2 )0H 2 (ONO 2 ),wird durch Einwirkung eines Gemenges von Schwefelsäure und Salpeter-säure auf Glycerin erhalten. Man fügt Glycerin tropfenweise zu dem gutgekühlten Gemenge gleicher Volume conc. Salpetersäure und Schwefelsäure,so lange es sich noch löst, giesst die Lösung in Wasser, trennt das alsschweres Oel ausgeschiedene Nitroglycerin ab, wäscht es mit Wasser undtrocknet es mittelst Chlorcalcium.

Das Nitroglycerin bildet ein farbloses Oel, vom spec. Gew. 1,6, dasbei —20° krystallinisch erstarrt. Es schmeckt süsslich und wirkt innerlicheingenommen giftig. In Wasser ist es unlöslich, schwer löslich in kaltemAlkohol; in Holzgeist und Aether löst es sich leicht. Beim raschen Er-hitzen und durch Stoss explodirt es sehr heftig (Nobel's Spreng öl);mit Kieseiguhr gemengt bildet es den Dynamit, mit Nitrocellulose rauch-loses Pulver.

Durch Einwirkung der Alkalien wird Nitroglycerin in Glycerin undSalpetersäure zerlegt: durch Sehwefelammonium wird ebenfalls Glycerinzurückgebildet. Beide Eeactionen zeigen, dass das Nitroglycerin kein Nitro-kürper, sondern ein Salpetersäure-ester ist, also besser Glycerinnitrat ge-nannt würde.

Der Siilpetrlgsäureester C 3 H 5 (ONO)3 des Glycerins, isomer mit Tri-nitropropan, entsteht durch Einwirkung von N 2 0 3 auf Glycerin (B. 16, 1697).Die Glyccrinsclirtcfclsäure CH 2 OH.CHOHCH 2 .OS0 3 H wird aus Glycerin undSchwefelsäure erhalten. Gtlycerinphosphors'äure C 3 H 5 (OH) 2 OPÖ 3 H 2 findetsich in Verbindung mit Fettsäuren und Cholin als Lecithin (S. 464) imEidotter, im Gehirn, in der Galle und im Nervengewebe. Sie bildet sichbeim Mengen von Glycerin mit Metaphosphorsäure. Die freie Säure bildeteinen zähen Syrup und zerfällt beim Erhitzen mit Wasser in Glycerin undPhosphorsäure. Mit 2 Aeq. der Metalle bildet sie leicht lösliche Salze.Das Kalksalz ist in heissem Wasser schwerer löslich als in kaltem; beimKochen der Lösung scheidet es sich in glänzenden Blättchen aus.

Die Mercaptane des Glycerins entstehen durch Erhitzen derChlorhydrine mit Kaliumsulfhydrat in alkoholischer Lösung.

i

N