verschiedener organischer Gifte in Beziehung bringt, wohl noch in-tensiver studirt werden, als es bis jetzt geschah; denn in dem Eiweissdes lebenden Protoplasmas haben wir einen Körper von ganz be-stimmter chemischer Constitution, der in bestimmter Weise mitgewissen Atomgruppirungen reagiren muss.
Nencki und Boutmy bemerken sehr richtig: »Pourquoi unecombinaison chimique agit-elle sur l'organisme d'une manicre par-faitement definie, tandis qu'une autre combinaison tres proche dela premiere par sa composition n'a aueune influence sur ce memeorganisme? Cela tient dune part ä la strueture chimique del'organisme vivant, e d'autre part ä la strueture chimique de lacombinaison, que nous faison reagir sur cet organisme.« (Arch. dessc. biol. publiees par l'Institut imperial de medecine experimentaleä St. Petersbourg 1892, p. 61).
Als Hermann 1874 es aussprach, dass wir noch weit davonentfernt seien, ein einigermassen befriedigendes System der Gift-wirkung aufzustellen, huldigte man allerdings in vielen Kreisennoch der Unerforschlichkeit des Protoplasmas, welches man oft zudemnoch als ein Mixtum compositum auffasste, in welchem dieverschiedenartigsten eingebetteten Stoffe mit an der Lebensbewegungsich betheiligen sollten. Freilich war bei dieser Anschauung esvöllig räthselhaft, worin dann der Unterschied zwischen lebendemund totem Protoplasma bestehen sollte; denn die Stoffe, »durchderen Zusammenwirken« die Lebensthätigkeit zu Stande kommensollte, sind ja in der toten Zelle auch noch da. Erst mit derlogischen Folgerung Pflügers (1875), dass der Eiweissstoff desProtoplasmas beim Absterben sich verändern müsse, war der ersteAnstoss zur Erkenntniss der lebendigen Beschaffenheit gethan.
Fassen wir nun nicht nur das Eiweiss des lebenden Proto-plasmas als einen äusserst labilen Stoff auf, der sehr leichtveränderlich ist und dabei in einen stabilen Stoff, in inerte Masse,übergeht, — sondern fassen wir auch den molecularen, oder wennman will den micellaren, Aufbau des lebenden Protoplasmas alseine labile Structur auf, in welcher die anziehenden undabstossenden Kräfte der activen Eiweissmolecule gerade im Gleich-gewicht sind, eine Construction, welche mit Aenderung des chemischenCharacters der labilen Eiweissmolecule sofort zusammenfällt, indemdie anziehenden Kräfte das Uebergewicht gewinnen, so wird nicht
1*
4