Capitel I.
Oxydationsgifte.
enn die Lebensbewegung von gewissen labilen Atom-gruppirungen im Eiweiss des lebenden Protoplasmasausgeht, so begreift es sich, dass der geringste Einflussauf jene labilen Gruppen, sei er oxydirend, reducirend oder sub-stituirend auch die Lebensfunctionen selbst beeinträchtigt. Einenoch so kleine Veränderung dieser Art kann den Tod des Gesammt-plasmas einleiten.
Nun finden zwar bei allen lebenden, functionirenden Zellen(nur die in Gärthätigkeit begriffenen Zellen von Spross- und Spalt-pilzen sind ausgenommen) continuirlich Oxydationen (Athmung)statt; allein die durch den molecularen Sauerstoff bedingten Oxy-dationsprozesse sind wesentlich verschiedener Art von derWirkung energischer Oxydationsmittel. Wenn eine Zelle den ge-wöhnlichen Sauerstoff 0~0 zu Oxydationen verwendet, so wirftdas lebende Plasma denselben auf die eingebetteten Stoffe (Zucker,Lecithin) und gewinnt dadurch Kräfte, oxydirt sich selbst aberhöchstens nur in Spuren; sonst müsste der Tod erfolgen, wasja auch der Fall ist, wenn die eingebetteten Thermogene ver-braucht sind (beim Hungertod) und das Plasma dann anfängt sichselbst zu oxydiren, — oder bei der Einwirkung von energischeremSauerstoff, Ozon /O 0\{ O' ).
Der Athmungsvorgang in einer Zelle ist am einfachsten sozu erklären, dass die heftigen Schwingungen im lebenden Plasmasowohl auf den gelösten molecularen Sauerstoff als auch auf das