Druckschrift 
Ein natürliches System der Gift-Wirkungen
Entstehung
Seite
2
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

— 2

klarer lauten, vermuthlich ebenfalls nicht die Titel einer idealenToxicologie, sondern man wird dereinst die Gifte nach denjenigenelementaren Eigenschaften einzutheilen haben, denen sie ihreHauptvvirkung verdanken.« Seitdem sind die toxicologischen Werkevon Lewin, Fröhner, Kobert und die Vorlesungen über Pharma-kologie von Binz erschienen, aber weder in diesen, noch in denHandbüchern der Arzneimittellehre von Nothnagel und Rossbach,von Husemann und von Harnack sind weitere Versuche in dervon Hermann angedeuteten Richtung zu finden. Kobert theiltdie Gifte ein in solche mit groben anatomischen Veränderungen,solche mit geringeren und solche ohne anatomische Alteration imGefolge; er behält auch in seinem neuesten Werke: »Lehrbuch derIntoxicationen«, im Wesentlichen diese Eintheilung bei. Binz sagt(1. c): »Ich folge der klinischen Eintheilung, so weit bis heute dasschon möglich ist. Sie hat ihre Mängel, wie die übrigen sie haben,aber ihr Vorzug besteht darin, dass sie zur Schaffung eines natür-lichen Systems hinführt«.

Die Toxicologie gehört zu den interessantesten Gebieten derPhysiologie. Die Giftwirkungen sind physiologische Reactionen gegen-über schädlichen Reagentien, welche in einzelligen Organismen meistzum Tode führen, in hochorganisirten Wesen aber durch eine ein-geleitete Gegenströmung oder rasche Eliminirungsvorgänge mit derWiederherstellung der normalen Beschaffenheit enden können. EineSchädigung von nicht persistirenden Zellen kann hier wieder über-wunden werden, schwerer aber eine Schädigung der persistirendenGanglienzellen. Während die Symptome bei einzelligen Organismenwenig complicirt erscheinen, sind dieselben bei höheren Thieren oftüberaus verwickelt und können sich äussern an Nerven und Muskeln,im Darm und Blut, es können Stoffwechsel und Temperatur beein-flusst werden.

Das Hauptmoment an einer Giftwirkung ist der primäre Cha-rakter der Störung, der Grund der Wirkung und da die Lösungdieser Frage mit dem Wesen des Protoplasmas aufs Innigste zu-sammenhängt, so bildet eine physiologische Eintheilung derGifte das allein richtige System. Manche Arten von Giftwirkungensind geeignet, Einblicke in den chemischen Charakter des Proto-plasmas thun zu lassen und wird in Zukunft diese Seite der Toxi-cologie, welche die Giftwirkung mit der chemischen Constitution