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nicht leicht zu vergreifen; der Hauptpunkt „iniserero nabia" ist nach Gebühr hernnsgchobenund muß iuuncr erhöht und gesteigert werden, bis die ruhigere Bitte um „Frieden" desGeistes und Leibes ciutritt.
Es ist dies das erste Mal, das; ich eine meiner Compositioueu mit erläuterndenWorte» und so sorgfältig begleite; da aber viele Menschen im gewöhnlichen Leben oft eineZuneigung zu Lieblingen haben, die Andere sich nicht erklären können, so durfte anch meineVorliebe für diese Messe vielleicht nicht begreiflich, — aber doch verzeihlich sein!
_ 12. Scptemb. 1854.
Line lllcinung über die Llothwendigkeit, das Volkslied zu pflogen.
Es wird auffällig viel und mit Recht gesprochen und geschrieben über die einreißcndeVerflachung des musikalischen Geschmackes, anch ist nicht abznsehcn, wohin die stets zunehmendeGemeinheit der Melodie, die Ilcberreiznng der Ohren durch maßlosen Lärm und der durch dieerdenklichsten Knifse erzeugte, sogenannte Effekt der z. B. die moderne Oper beherrschendenTonseher führen soll. Aber mit dem Schimpfen allein ist nichts gcthan, daher versuche jedereinen Rath anszusprcchen, ein Mittel anzngebcn nach seinem besten Wissen und Willen, dennsind anch zehn Rathschläge schlecht und nur einer recht, so ist schon geholfen. Einzig ansdem Beweggründe entstand diese Meinung, welche sich aber ans Erfolge und die Zustimmungdenkender Beobachter stützt. So arg ist der Geschmack trotz Allem noch nicht verkommen,daß das Hebel nicht zu heilen wäre durch liebevolle Pflege eines bei uns verwaisten Kindes,nämlich — des Volksliedes, das seinen Stammbaum ans Jahrhunderte znrückführt, dasder Deutschen edelste Geister mit ihren zartesten Herzcnsfasern genährt, mit ihren duftigstenGeistesblüthcn ansgcstattet haben. Das Volkslied ist's, welches zu Ehren zu bringen, dasBestreben aller öffentlichen und privaten Gesangvereine sein sollte.
In unserer Residenz wäre in erster Reihe der Männcrgesangverein dazu berufen, demdie Wiener für so manchen Hochgenuß verbunden, welchen man füglich die volksthümlichstemnsikntische Gesellschaft') hierorts nennen kann, der eben dcßwegcn ans die Veredlung desGeschmackes den größten Einfluß besitzt und selben znm Theil auch schon geübt hat. Daßdieser Verein, welcher mit Mitteln jeder Art wie kein anderer in Deutschland versehen, mitdem Versuch Nichts wagt, ja des Erfolges sogar sicher ist, dafür spreche ein kleiner Rückblick.In einem vorjährigen Konzerte brachte er neben gehaltvollen und seichten Nummern dasQuartett „Allerliebstes Mädchen rc." von Otto; das Lied konnnt mir vor wie ein munteres,rothwangigcs Kind, das jedem Fremden an den Hals springt, ihn mit den Armen umklammert,und immer fragt: „Hast' mich lieb?" Man sicht ihm in die offenen blauen Augen und mußden; herzigen Balg gut sein, der sich einem immer fester in s Gcmüth schmeichelt. So ergingcs anch dem Publikum; es konnte sich nicht satt hören daran, jeder summte im Fortgehendie einfache Weise, welche die beifälligst nnfgenommene Nummer des Programmcs war,und sonderbar — nicht einmal ein Solo mit Brnmmstimmcn war dabei.
Heuer war die Glanznummer Mcndelssohn's „Es ist bestimmt in Gottes Rath",dessen innige keusche Klänge sich am tiefsten in Aller Herzen eingcsnngcn, dessen Erfolg nichteinninl die beiden Schnbcrt'schcn Prachtchörc die Wage halten konnten, und es hat wahr-lich Keiner erhabenere, herrlichere Lieder gedichtet, als Schubert mit seinem unerschöpflichenBorn der Phantasie! Wie soll aber bei der Masse sich der Geschmack für Ambrosia finden,wenn sie nebenbei mit Grütze gefüttert wird. Ich werde augenscheinlich warm, daher genugdavon. Das Verdienst, das Mcndclssohn'sche Lied für vier Männerstimmen gesetzt zu haben,gebührt dem Chormeistcr Herrn F. Stegmaicr.?) Diese beiden erwähnten Tonstiicke stehen
*) Es versteht sich, dasi hier die localen Bolkssäuger (Harfenisten), deren Gassenhauer in ihrem Kreiseanch eine Berechtigung haben, nicht in Betracht kommen, da ich überhaupt nur von der edleren Richtung imVolte und seinem Liede spreche. Anmerk, von Herbeck.
2 ) Diese Priorität kann nur für Wien gelten; das Lied wurde bereits bald nach Mcndelssohn's Tod(18-17) in Berlin als Ehor vorgetrageu. Der Vers.