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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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sicdlnng nach Luzern nach Zürich gesendet, an ihrem Bestimmungsort angelangt sind. Dievielen Wünsche haben dies Schreiben ungebührlich lang gemacht, wosür Sie, geehrtcstcr Herrentschuldigen wollen Ihren in vollster Hochachtung ergebensten

_ I- Herbeck.

Paris 12. Oct. 59.

Ivagner an lserbcck.

Geehrter Herr!

Erlauben Sic, daß ich in Kürze Ihnen das Nöthige sogleich antworte.

Mit Ihrer Einrichtung des fraglichen Matrosenlicdcs ans dem fliegenden Holländerbin ich sehr einverstanden: cs wird sich so recht gut machen. Ans meinen neueren dramatischenArbeiten eignet sich dagegen, wie Sie spater selbst benrthcilen werden, nichts für Chorvortrag:eigentliche Chöre finden sich sogar nicht darin.

Die Partitur von Tristan und Isolde wird in Kurzem in Stich erscheinen. Eine vor-läufige Anfsührnng des Orchcstervorspicles ist selbst in Leipzig gegen meinen Willen unter-nommen worden: Sobald Sic dieses Stück kennen werden, begreifen Sic gewiß, warum ichcs nicht zu Conzertaufsührnngen für geeignet halten kann.

In Luzern erhielt ich im April d. I. (ans Zürich mir nachgesandt) das Ehrcnhonorarfür den Chor ans Rienzi; eine zweite Sendung für den Matrosenchor ist mir nicht znge-toininen. Ich hebe mir diese Dncatcn mit großem Vergnügen ans, und Hab' jedesmal Freudedaran. Empfangen Sie meinen herzlichen Dank für Ihre theilnchmenden Gesinnungen underhalten Sic mir ein freundliches Angedenken.

Ihr ergebenster Richard Wagner.

kserbcck an Ivagner.

Gcchrtestcr Herr!

Ans die Gefahr hin ziemlich unbescheiden zu gelten, erlaube ich mir noch einmal umIhre gütige Einwilligung zur Anfsührnng der Jnstrnmentalcinleitnng zuTristan und Isolde"zu bitten und bin so frei, mein wiederholtes Ansuchen mit folgendem zu unterstützen. Herrvon Bülow schreibt mir:Ich stelle Ihnen mit Vergnügen meine Partitur und Stimmendavon zur Disposition, sobald des Componisten Genehmigung erfolgt ist. Da das Stücksofort in den ersten Akt überleitet, so habe ich nach meiner Kenntniß des ganzen Werkeseinen entsprechenden Abschluß hinznsügen müssen, mit welchem cs in Prag unter meinerLeitung und in Leipzig unter 1>r. Liszt's Dircetion anfgcführt worden ist." Ich muß, gestütztauf authentische Zeichen daznsetzen mit sehr großem Erfolg. Da mm eine Aufführungdieses Werkes bereits vor zwei Monatcn gegen Ihren Willen stattgefnndcn, würden Sie,gcchrtester Herr, vielleicht erlauben, daß Wien mit Leipzig und Prag das räuberische Tri-folium bilden, welches das fremde Eigenthum gegen den Willen seines rechtmäßigen Herrnansbentet? Wären Sie Zeuge der Aufnahme gewesen, welche bereits vor Jahren die Ein-leitung in 6 ansLohengrin" bei uns gefunden hat, so wäre ich der Gewährung meinerBitte gewiß. Bezüglich anderer Einzclstücke ans denNibelungen" oderTristan" scheine ichmich im ersten Schreiben nicht ganz deutlich ausgedrückt zu haben ich meinte nicht, obeinzelne Chöre für den Coneertsanl geeignet wären, sondern, ob dies nicht bei einer ganzenSerie für Solostimmen, Chor und Orchester der Fall wäre. Ist dies nicht wie beiLohengrin"möglich, so bitte ich in dieser Erläuterung keine Zudringlichkeit zu sehen und die Sache aufsich beruhen zu lassen.

In der Hoffnung, daß Euer Wohlgcboren mein wiederholtes Anliegen seiner gewißuneigennützigen Absicht wegen verzeihlich finden werden, zeichnet in vorzüglicher HochachtungIhr ergebenster I. Herb eck.

Wien, 16. Octobcr 1859. _