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Hochgeehrter Herr!
Hattingen, .8. Ja»nar 1878.
Wenngleich cs heute schon der dritte Tag des neuen Jahres ist (ich war in denletzten Tagen durch Allerlei sehr beschäftigt), so treibt es wich doch noch, Ihnen nur ganzkurz meine herzliche Dankbarkeit zu erkennen zu geben für die reichen Hoffnungen, welcheSic mir so gütig und unerwartet in den Anfang des Jahres 1875 hineingepflanzt haben.Ich breche ab — denn lieber als mit Worten möchte ich mit Thatcn danken; und wenn ichmir erst einmal freie Zeit schaffen kann, und die große Schwierigkeit, ein tüchtiges Textbuchzu erlangen, auch überwunden ist (ich habe jetzt einige Aussicht dazu), so hoffe ich, sott diezwcite Oper nicht zu lange auf mich warten lassen. Genug für heute; Frank ans Mann-heim kommt in den nächsten Tagen nach Wien, und wird mir wohl bald Einiges von Ihnenberichten können.
In dankbarer Ergebenheit Ihr
Hermann Goclz.
lxerbcck an Goetz.
Hochgeehrter Herr!
Ich gehe heute leichteren Herzens daran, Ihnen endlich zu schreiben, weil Herr Frankinzwischen schon so liebenswürdig war, mich bei Ihnen zu entschuldigen — soweit meineunverantwortliche Lässigkeit im Briefschreiben überhaupt zu entschuldigen ist. Ich glaube aber,das; ich mit meinen künstlerischen Kräften rastlos fleißig und mit aller Liebe die AufführungIhres Werkes vorbcreite, Ihne» aber keine Briefe schreibe, wird Ihnen jedcnfalis lieber sein,als die schönsten langen Briefe und — keine That. Drücken Sic also meinen Schwächengegenüber srenndlichst ein Auge zu.
Ihr Werk hat mich entzückt. Ich kenne keine neue Oper, die ich höher schätzen undlieben könnte, als Ihre „Widerspnnstigc". Sic können sich leicht Vörstetten, wie ich gleich nachder überraschenden und schnellen Annahme des Werkes zur Aufführung von allen Seitenbestürmt wurde: „Wer ist der Mann?" — „ist wirtlich was daran?" — „in welchem Stylist die Musik gehalten?" — „glauben Sie, dass die Oper gefallen wird?" n. s. w. Da habenSie auch ineine Antworten; Ich weiß nur, daß der Coinponist Goetz heißt, „was daran ist?",sehr viel, der Styl der Musik ist der G octzffche — wollen Sic durchaus einen Vergleich — dieOper ist mntatis iiiutainlis — eine moderne „Hochzeit des Figaro". (Frank erzählt mir — wasgewiß bezeichnend — er hat denselben Vergleich in Mannheini gemacht). An einen großen Erfolgbeim Publikum glaube ich, kann ihn natürlich nicht verbürgen, das aber ist meine Ucberzengnng:wenn Jemand dnrchsällt, der Componist ist es nicht, dem dies Unglück Passiren kann.
Doch genug davon, gehen wir zur Besetzung: Katharina: Lhnii, Bianca: TUllner,Lncentio: Müller, Petrnchio: Bignio, Baptist a: Utaycrhc>fer,H ortcnsio : Scann. Zuersthatte ich den Petrnchio Beck zugetheilt, als ich selber aber mit ihm dnrchnahm, sah ich — esgeht nicht. Wir hätten einschncidendc, ganz nnmöglichc Aendernngcn machen müssen. Ichhoffe übrigens von Bignio, der wie die anderen Sänger von der Sache erfüllt ist, dasBeste. Die Aufführung dürfte längstens bis 28. oder 29. d. M. stattfinden — vielleicht auchfrüher. Mir selbst, der ich seit beinahe zwei Jahren keine Oper dirigirte, soll es ein ehrendesVergnügen sein, selbe vom Pulte zu leiten.
Unser Theater gehört nicht dem deutschen Bühnenvcrcine an, ich übersende Ihnen daherzwei Exemplare des Contractes, die Stipulation wegen des Aufführungsrechtes enthaltend, wovonSie Eines derselben, mit Ihrer oder der Unterschrift Ihres Bevollmächtigten versehen, mirzurückschickcn mögen. Da Sic Mitglied der „Genossenschaft" sind, habe ich der Ihnen alsein kleines Plus zugedachten Zusicherung einer Vergütung von 400 fl. ö. W. für Ueberlassmigeiner Copie der Partitur und des Clavicransznges in dem Contrnctc gar nicht erwähnt, weil