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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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als passiver Zuhörer beiwohnte, und der Eindruck, welchen die mächtigenAccorde des zweihnndcrtköpfigen Chores auf ihn heroorbrachtc, war so über-wältigend, daß er seiner Gefühle kaum Herr blieb.

In de» Gesellschafts-Concerte», deren Leistlingen wohl kaum mehr einerSteigerung fähig waren, gab es noch viele alte Schäden des Repertoires ans-znbesscrn. Ein empfindlicher Mißstand machte sich in der, seit Jahren in Wienzur Gewohnheit gewordenen Vcrnachläßignng der Werke eines der edelstenVertreter der vor-Beethovcn'schen Musik-Epoche geltend: des Ritters Gluck.Schon Berlioz, der in den Fünfziger Jahren Wien besuchte, wundert sichüber die gänzliche Unkenntniß der bedeutendsten Werke Glnck's nicht nur seitensdes PnblicnmS, sondern auch vieler Musiker.st Gegen das Jahr 1867 hinweist das Repertoire des Hof-Operntheaters nicht eine Glnck'sche Oper ans. 2 )Wenn nun auch bei allen Bemühungen maßgebender Künstler eine förmlicheVorliebe für Glnck'sche Musik, wie sie etwa seit altershcr in Berlin herrscht,'stin Wien schwerlich allgemein platzgreifen dürfte, so ist ei» gänzliches Jgnorirenderselben denn doch unter gar keinen Umstünden zu rechtfertigen, und Herbeckkam gewiß nur dem lang genährten Wunsche des vielleicht kleineren Thcilesdes Publicnms nach, indem er im Gcsellschafts-Conecrte am 10. März dieOuvertüre zu „Iphigenie in Aulis" (mit Wagner's Schluß) und eine Scenefür Solo, Chor und Orchester aus „Iphigenie in Tauris" zur Aufführungbrachte.

Die Solopartie war einer bis dahin den Wienern unbekannten Künstlerin,Fräulein Helene Magnus,-st übertragen worden. War hier die Leistung dieserDame auch nicht unübertrefflich, so entfalteten sich die Reize ihrer ganz eigen-artigen Stimme im Vortrage der folgenden licdartigen Composition Berlioz',„Trennung", zur prangendsten Btüthe. Herbeck hatte der Sängerin, welche ans

') Berlioz, Nom. II. p. 199.

2 ) lieber die Pflege Glnck's am Wiener Opcrntheater geben die folgenden Ziffern dendcntlichsten Aufschluß.

Alcestc wurde in den Jahren 1780—1810 17mal

Arinida „ „

Iphigenie auf Tauris „ „

Iphigenie in Aulis „ „

Orpheus und Eurydike „ „

führung war conccrtantc)Pilger von Mekka in den Jahren

1808—1809 8inal1781—1862 IMmal1808—1869 25mal1781—1862 6mal (die letzte Anf-

1780-1807 56inal gegeben. Alceste

war daher seit 1810, Armida seit 1809, Iphigenie auf Tauris seit 1862, Orpheusund Eurydike seit 1862, die Pilger von Mekka seit 1807 vom Repertoire vollständigverschwunden. Iphigenie in Aulis wurde am 12. Dcecmbcr 1867 nach langer Panse (in derBcarbeitung Wagner's zum 1. male) wieder ausgenommen. Diese Daten wurden dem Ver-fasser von Herrn k. k. Official Albert Wcltner srcnndlichst zur Verfügung gestellt.

°) Mendelssohn Briefe, Leipzig 1870 S. 377.

->) Nicht zu verwechseln mit der schwedischen Kammervirtnosin Magnus, welche 1864 inBraunschwcig in jenem Conccrte spielte, in welchem Hcrbeck seine III. Symphonie dirigirte.