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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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sitioncii recht streng zu Gerichte saß, sagt, daß die U-moII-Messe das Bedeutendstesei, was seit Schubert auf dem Gebiete der Kirchenmusik geleistet wordenund er, der Verehrer der Mnsik Schumaun's, stellt Herbeck's Werk selbstüber die Messe jenes Componisten.') Eine ausführliche und sachgemäße Be-sprechung lieferten Zcllncr's Blätter für Theater, Musik und bildende Kunst. 2 )

Mit dieser Messe versetzte Herbeck seinem „Vorgesetzten" Nandhartingerrecht eigentlich de» moralischen Todesstoß. Mußte schon jeder Unbefangene sichaufrichtig gestehen, daß unter de» zahlreichen Compositionen Nandhartiuger'snicht eine einzige zu finden war, welche mit dem neuesten Werke Herbeck'sauch nur annähernd verglichen werden konnte, so war die glänzende, wie voneinem duftigen Frühlingshauche belebte Aufführung desselben so recht darnachangcthan, das Zopfige und Philisterhafte der Nandhartinger'schen Aufführungenerbarmungslos an den Pranger zu stellen und die Oeffentlichkcit förmlich auf-znfordcrn, ihr verdammendes Urtheil über dieselbe» ausznsprcchen. Dazu kamnoch, daß die persönlichen Verhältnisse unleidliche geworden waren. Der Ver-kehr zwischen Nandhartinger und Herbeck fand nur mehr auf schriftlichem Wegestatt, und der Umstand, daß Fürst Hohenlohe unmittelbar mit Herbeck und niedurch den erste» Hofcapellmeister verkehrte, endlich die überlegene KünstlerschaftHerbeck's selbst schmälerten das Ansehen Nandhartiuger's bei den Mitgliedernin so bedeutender Weise, daß die Person des ersten Hofcapellmeisters zumPopanz herabsank.

So kam cs, daß Nandhartinger, mehr gezwungen als freiwillig, seinePensionirung cinrcichtc, welche ihm denn auch unter Verleihung des FranzJosef-Ordens freudig gewährt wurde. Herbeck aber wurde mit Uebergehnngseines Vordermannes Preher zum ersten k. k. Hofcapellmeister ernannt.^)

Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß die gegen alles Herkommenerfolgte Erhebung eines kaum 35 jährigen Künstlers auf das höchste musikalischeEhrenamt Oesterreichs nicht nur in Wien, sondern auch in auswärtigenKnnstkreise» berechtigter Weise Aufsehen erregte. Für Herbeck bedeutete diesesunerwartete Glück keinen Stillstand, es gab ihm vielmehr Anlaß zu erneuertemStreben. Die Erreichung seines Zieles wurde ihm sowohl durch die un-umschränkte künstlerische Vollmacht, mit der ihn seine Vorgesetzte Behörde

ausgerüstet hatte, als auch durch die Unterstützung, welche, ihm durch

den, ans den besten Kräften zusammengesetzten Körper der Hoscapelle zuTheil ward, bedeutend erleichtert. Die ersten Sänger der Oper: Josef

Erl, Johann NokitanSkh waren Mitglieder des Gesangchores, dem auchandere, außerhalb des Verbandes der Oper stehende, hervorragende Kräfte,

') Neue Freie Presse Nr. 626 I. 1866.

2 ) „Herbcck's Messe und der Kirchenstil" in Zcllncr's Blätter sür Theater, Mnsik rc.Nr. 42, 43, 44 und 45 I. 1866.

b) A. h. Cabinetsschrciben vom 24. April 1866, Wiener Zeitung Nr. 101 I. 1866.In der Reihenfolge der Hoscapellmeistcr war Herbcck der 25. Kochel, Die Hofcapelle S. 41.