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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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Ans dieser Erzählung geht hervor, daß der bescheidenen Bitte einesMusikers, welcher sich um das Musikleben Wien's Jahre hindurch in hervor-ragender Weise verdient gemacht hatte, aushilfsweise die Orgel in der Hof-capclle spielen zu dürfen, um nach längerer Zeit vielleicht wirklicher Hof-Organist zu werden, obwohl der Kaiser der Gewährung nicht abgeneigt war,nicht entsprochen ward, weil ein Beamter am Hofe Hofrath Drüxlcr näm-lich die Erfüllung dieser Bitte zu hintcrtrcibcn wußte. Es war dies daseinzige mal in seinem Leben, daß Hcrbeck selbst sich um eine Stelle beworbenhat, und dieses einzige mal war die Bewerbung fruchtlos, für den Augenblickwenigstens. Wie der weitere Verlauf der Darstellung ergibt, erreichte Hcrbecknach wenigen Monaten mehr, als er eigentlich angestrebt, nämlich eine über-zählige Vice-Hofcapellmcisterstelle. Diesen glänzenden Ansgang der Sache hatteer hauptsächlich der Erzherzogin Sophie zu verdanken.

Dieser geistreichen Frau war ein außerordentlicher Kunstsinn eigen, und siebesaß ein gediegenes Urtheil über alle Erscheinungen der Kunst und Literatur.')Herbeck hatte nun oft Gelegenheit, mit der Erzherzogin zu verkehren. Sic liebtees, in ihren Appartements kleine musikalische Abende ohne äußeren Anlaß zuveranstalten, die lediglich dazu bestimmt waren, der Erzherzogin und einemkleinen Kreise geladener Gäste einen Kunstgenuß zu bereiten. Jede zwangvolleEtiqucttc war hier ausgeschlossen. Künstler und Aristokraten bewegten sich imfreien gesellschaftlichen Verkehre und Herbeck, dem das künstlerische Arrangementanvertrant war, ward nicht selten die Ehre zu Theil, von der Erzherzogin, welcheüber alle Verhältnisse des öffentlichen Lebens erstaunlich orientirt war, in langeGespräche verwickelt zu werden. Auch die Witwe des Kaisers Franz, KaiserinKaroline Auguste, eine Schwester der Erzherzogin, fand sich häufig in diesemkleinen Kreise ein. Waren dieser Dame, welche im Volksmnndc gerndie alteKaiserin" genannnt wurde, wohl auch bedeutende Eigenschaften des Geisteseigen, so traten diese bei ihr zurück gegen eine jedermann gegenüber sichäußernde ungewöhnliche Sanftmnth und HcrzenSgüte. Kaiser Franz, dessenvierte Gemalin Karoline Auguste war, soll öfters geäußert haben:Ich habedrei Kaiserinnen gehabt, jetzt habe ich ein Weib," und die Kaiserin selbst kenn-zeichnetc ihre Stellung mit den einfachen Worten:Ich bi» im Staate nichtsals des Kaisers Weib." 2) Der Eindruck, welchen die Erscheinung beider Frauen

>) Wie sehr die Erzherzogin die Eigenschaften trefflicher Minner zn schätzen wußte,zeigt ihr Verhalten Heinrich 9anbe gegenüber. Als die Stellung Lanbc's (dessen politischesVorleben der hohen Fran mehr als bedenklich erscheinen mußte) als Director des Bnrg-theaters schon eine erschütterte war, wandte sie dem ausgezeichneten Manne ihre Protectionin vollem Maße zu und bewahrte ihm auch dann, als er die Direction des Bnrgtheaterslängst einem anderen überlassen hatte, ihre unveränderte Zuneigung. Mittheilnng Lanbe's inderNeuen Freien Presse".

2 ) Hclmina Chezh,Unvergessenes" II. S. 311.