179
lich des Salzburger Mozartfestes geschlossene Bekanntschaft mit dem damaligenDirigenten des Innsbrucker Gesangvereines, Teichner, indem er ihm einenBesuch ans dessen schöner, in der Nahe Jnnsbruck's gelegener Besitzungabstattcte.
In productiver Beziehung gestaltete sich die Sommerperiode 1865 gnanti-tativ nicht sonderlich ergiebig. Am 28. Juni entstand der Mannerchor „Wander-lust", und am 1. Juli brachte er die Grundidee zum „Landsknecht" auf'sPapier. Es ist dies eines der interessantesten Männerchor-Licdcr, welche ergeschaffen, ja welche die musikalische Literatur überhaupt aufzuweiscn vermag.Originalität der Erfindung, musterhafte Durchführung besonders des orchestralenThcilcs zeichnen dieses farbcnsatte, von keckem Realismus strotzende Gemäldeans. Auch die Entstehung der zwei reizenden gemischten Chöre „Licbesklage"und „Jügcrglück" scheint in diese Zeit zu fallen. Am 14. October entstandnoch der gemischte Chor „Liebesgras; aus der Ferne".
Die kommende Saison des Männcr-Gesang-Vereincs wurde durch eineSchnbert'sche Novität „Morgengcsang - im Walde" würdig eingclcitct. Herbcckführte das Stück nach der Skizze Schnbert's, welche die Singstimmcn voll-kommen, die Instrumentation bloS angedentet enthält, in congcnialcr Weiseaus. Um den Gesang als selbstständige» Chor bringen zu können, unterlegteHerbeck mit Beibehaltung der ersten vier Zeilen des Originales einen neuenText. Kurz vor der Aufführung stellte sich heraus, das; der Chor die Eingangs-nnmmcr zu der unvollendeten Oper Schnbert's „Der Graf von Gleichen"bilde.') Den denkbar schönsten Abschluß fand das Jahr 1865 durch die ersteAufführung des Symphonie-Fragmentes in 11-woU am 18. Dcccmber. DerNovität ging Anselm Hüttenbrenner's Ouvertüre in 6 voraus, welche u. a.als achtbare „Capellmeistcrmusik" bcnrtheilt wurdet) Das Symphonie-Fragmentaber mit seinen reizenden Themen, den überraschenden Modulationen, seinergeistreichen Orchestrirnng erregte stürmischen Jubel. Es war einer der frendigstenund ehrenvollsten Tage, welche Herbeck erlebt, und mit der Aufführung diesesFragmentes schließt auch jene ruhmvolle Epoche seines Lebens ab, welche derWiedererweckung großartiger Schöpfungen Schnbert's und der Emporhebnngdes Wiener Concertwesens auf die Stufe der Vollendung geweiht war.
12 *
y Jahresbericht 1866, S. 10.
-) „Presse" vom 22. Dcccmber 1865.