moderne Werke verwohnte» Wiener Pnblienm vorznführen. Er hielt zwar vielevon Hüttcnbrenner's Eompositionen, die ihm durch Josef mitgethcilt wordenwaren, für recht beachtcnSwcrth, aber im allgemeine» schien ihm diese Manierzu componircn und die Themata dnrchzuarbeiten veraltet und zopfig.
Er war nun endlich zn der Erkenntnis; gelangt, das; die Unterhandlungenmit Josef Hüttenbrenncr zn dem erwünschten Ziele nicht führen konnte», unddas Bcschreitcn anderer Wege schien ihm ein Gebot der Nothwendigkeit gewordenzn sein. Eine Gelegenheit, unauffällig eine Reise nach Graz zu unternehme»,sollte durch Fügung des Zufalles sich bald finden. Hcrbeck's Schwägerin mußteans ärztliches Geheiß einen längeren Aufenthalt in Meran nehmen und sobalddie Jahreszeit es einigermaßen erlaubte, sollte sie die Reise dahin antreten. AmMorgen des 30. April 1865 verließ Hcrbcck mit der kranken Frau die Residenzund langte am selben Tage in Graz an. Am nächsten Tage begab er sich nachOber-Andritz, dem Wohnsitze Anselm Hüttcnbrenner's. Dieser kleine, nördlichvon Graz gegen den Berg Schäkel hin gelegene Ort zieht sich längs einesklaren GebirgswasserS eine sanfte Anhöhe hinan, von wo man einen hübschenAusblick über das breite, im Norden von einer Kette hoher Berge abgeschlossene,gegen Süden allmälig in die Ebene verlaufende Thal mit seinen blühendenWiesen, fruchtbaren Feldern und freundlichen Ortschaften genießt. In einem,unter Obstbanmen fast versteckten einstöckigen Häuschen, an welches eine vondem knapp vorüberflicßenden Gebirgsbache getriebene Mühle stoßt, befand sichHüttenbrcnner's Wohnung.
Er war ein alter, lebensmüder Alaun geworden, der seine Rechnung mitder Welt abgeschlossen hatte und nun die letzten Lebensjahre in stiller Zurück-gezogenheit zn vollbringen gedachte; aber er war anch ein Sonderling geworden,der, von der Welt sich verkannt wähnend, weder von einer Ausführung einesseiner Werke, noch überhaupt von einem Berkehre mit Kunstgenossen etwaswissen wollte. Wie anders wäre sonst sein Verhalten einem Werke seinesFreundes Schubert gegenüber, das er, wie Josef schrieb, jeder Beethoven'schenSymphonie glcichstellte, zu erklären? Wenn schon nicht selbstlose Knnstbc-geisterung, so hätte ihn doch der gewöhnlichste menschliche Ehrgeiz damals,als Schumann die E-Symphonic der Welt wiedergab, veranlassen müssen, mitdem 14-moU-Fragment vor die Öffentlichkeit zu treten. Doch nichts von alle-dem! Er bewahrte das Manuseript in seinem Schreibpnlte durch volle 43 Jahreängstlich auf und wollte also das Werk lieber dem Untergänge weihen, alses veröffentlichen. Einer solchen Handlungsweise konnte eben nur ein Mannfähig sein, dessen Thun und Lassen von den Wirkungen einer, möglicher Weiseschon in früherer Zeit aufkeimcnden, mit den Jahren rapid zunehmenden TodeS-krankheit in der schädlichsten Weise beeinflußt ward.
Hcrbeck mag sich bereits ein Bild dieses Originales, »och lange bevor erdie Reise unternahm, im Geiste entworfen, und sich zu einer Begegnung mitihm sorgfältig vorbereitet haben. Nach den Aussagen von Zeitgenossen Hütten-