Volkslieder ans Kärnten" begrüßte/) aber was nützen die schönsten Lieder,wenn sie wohl gedruckt sind, aber nicht gesungen werde»? Herbert griff frischzu. Er harinonisirte drei von de» Sängern gebotene Lieder „O Diandle",„Lippizbach" und „I tun wol", unter welchen wohl dein ersten die Kronegebührt. Scho» die HerzenSeinfalt, welche sich in dem Text des Liedes ans-spricht, mußte ans Herbeck, welcher für urwüchsige Aenßernngen natürlicher, reinerSeclenstimmungen sich einen so leicht empfänglichen, beinahe kindlichen Sinnbewahrt hatte, einen nachhaltige» Eindruck hervorbringc», während der unbe-strittene musikalische Werth des Liedes sein künstlerisches Interesse sofort erregthaben mag. Die Harmonisirung dieses Liedes durch Herbeck muß ein Meister-werk genannt werden. Welch' eine herrliche Reihe volltönender, ans einem,
gleich einer Orgel erklingenden Grnndtone 9^ fortschreitender Accorde!
Will man Herbeck's meisterhafte Harmonisirung so recht in's Licht stellen, sovergleiche man seine Arbeit mit einer anderen Bearbeitung desselben Liedes'^)und man wird von der Wahrheit des Spruches „si äuo knainnt icigin nonssb icieur" bald überzeugt sein.
Auch „Lippizbach" ist ein reizendes Lied. Es wirkt durch die eigenthüm-lichc Dreitheilung des Tenores — zwei Stimme» zur Accord- und eine Stimmezur Melodieführung, wobei die Begleitung oft überschlügt und dadurch gewisser-maßen zur zweiten Melodie wird — ganz originell. Das mit Unrecht am seltenstengesungene „I tua wol" trieft von Weltschmerz, aber ein schön dnrchgeführterUcbergang von 0-mokk nach L-clnr belebt das Ganze musikalisch, und diesewenigen freundlichen Accorde werfen einen Strahl aufflackernder Lebenslust indie düstere Nacht der Melancholie, welche den Grnndcharakter dieses Liedes bildet.
Die erste Aufführung dieser Chöre, wovon später noch die Rede sein wird,ebnete de» Kärntner Liedern einen Weg durch ganz Oesterreich und einen großenTheil Deutschlands. Die Lieder wurden bald so populär, daß der Verleger-Spina in Herbeck drang, eine Ausgabe für eine Stimme mit Begleitung desClavieres zu veranstalten, was auch geschah. Allein in dieser Form verlierendie Lieder vieles von ihrer Wirkung. Diese Erscheinung ist aber im Wesen desVolksliedes, das sa der Ansdruck von Stimmungen und Gefühlen eines dasVolk selbst repräsentirenden Individuums sein soll, begründet, und es findetdaher eine Volksmelodie im Chore ein ungleich natürlicheres Mittel des Aus-druckes, als im einzelnen, wenn auch hervorragend gebildeten Sänger. Zudemverträgt der auf die einfachsten Mittel angewiesene Volksgesang nicht gut dieBegleitung eines erst durch das Raffinement der Civilisation hervorgcrufcnenInstrumentes, wie dcö Clavieres, cs Hütten sonst wohl die zwei ersten SängerDeutschlands, Franz Schubert und Karl Maria von Weber nicht viele ihrer
') Hanslick, a. d. Concerlsnal S. 23.
2) Regensburger Licdcrkranz, Neue Folge 1879 S. 225.