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Kurz vorher war die zweite von Herbeck geleitete Saison der Gesellschafts-Concerte mit Schumann's „Manfred" in wahrhaft glänzender Weise eingeleitetworden. Diese Ausführung" verdient umsomehr Beachtung, als es die erstewar, welche die Gesellschaft der Musikfreunde mit einem eigenen Orchester zuStande brachte. Bisher besorgte nämlich die Capelle des kaiserlichen Hofopern-theaters die orchestralen Leistungen, und es war, da dieses Orchester eigeneUnternehmungen unter dein Titel „philharmonische Concerte" veranstaltete, dieAnnahme nicht ausgeschlossen, das; über kurz oder lang dasselbe der „Gesell-schaft" seine Dienste kündigen würde. Schon in einer Sitzung der „Gesellschaft"am 29. Mürz 1860 machte Herbeck auf die wachsende Rivalität zwischen denbeiden Unternehmungen ansmerksam, am 24. Mai beschloß die Direction aufGrundlage der von Herbeck inzwischen eingeleiteten Schritte die Emancipationvom Orchester des Kärtnerthor-Theaters und die Errichtung eines selbstän-digen Orchesters, mit dessen Zusammenstellung Herbeck nun auch formellbetraut wurde. Seiner Energie und Sachkenntnis; war cs zu danken, daßder Körper, welcher mit 56 Streichern, 8 Holzinstrnmentisten, 9 Blechbläsern,einem Harfenspieler und 3 Mann für die Schlaginstrumente shstemisirt war,am 24. Juli bereits bis auf die Hornisten, die im Laufe des Sommersnoch cngagirt wurden, organisirt war. Das neue Orchester war ans hervor-ragenden Kräften der Wiener Theaterorchester, der Hofcapelle und ans tüchtigenDilettanten zusammengestellt, und nur der Umstand, daß Herbeck die tüchtigstenKräfte so rasch aufznfinden wußte, läßt eS erklärlich erscheinen, daß gleich dieerste öffentliche Leistung des neuen Körpers sich zu einer vorzüglichen gestaltete.
Sein Tagebuch berichtet darüber:
„11. November 1860 1. Ges. Concert mit einem von mir neu zusammen-gestellten Orchester. Man hielt es bisher nicht für möglich, in Wien eine bedeu-tende Leistung mit einem anderen als dem Orchester des Kürntnerthortheaterszu geben. Mein gegentheiliger Beweis wird jetzt allgemein als ein glänzenderangesehen. „Manfred" von Schumann, der einem Orchester genug zu knackengibt. Werk und Production machten einen tiefen, nachhaltigen Eindruck."
Im 2. Gescllschafts-Conccrte am 2. December überraschte Herbcck dieWiener wieder mit einigen Novitäten von Schubert, welche er unter demTitel „Symphonische Fragmente" znsammengestellt hatte. Es waren dies der ersteSatz und das Andante aus der tragischen Symphonie, das Scherzo aus der6. Symphonie und das Finale aus jener in I). Das Tagebuch berichtet darüber:„ . .. . mit Ausnahme des Scherzo (aus der O-äur Nr. 6) nie und nirgendsaufgeführt — unglaublich! Schubert! warum warst du ein Wiener und keinEngländer!" i) Freilich, einem Engländer, der ein Schubert gewesen wäre,hätte so etwas, in England wenigstens, kaum passiren können, nach Wien wäreaber fein Ruf auch dann schwerlich gedrungen, denn diese Stadt schien in
9 Wie aus drovs's Dictionary ok LInsic III. x. 326, zu entnehmen ist, wird dietragische Shmphouic in Crystal Palace in London oft anfgcfnhrt.