Maier waren Gegenstand der Hebung. Am 11. Mai studirtc er Theilc anseiner Messe non Palestrina. Das eonfassor" daraus nennt er „erhabenwie ein gothischcr Dom", freilich, meint Herbeck, müsse man es auch verstehen,den Geist, die Weihe zn erfassen, die in einem solchen Werke liege. Es genügenicht, das mechanisch im Takte nbleicrn lassen, wie er cS Tags darauf i» demScarlatti'schcn ,Vn 68 I'etriw" unter Stcgmchcr erlebt. Die verschiedenartigen,theilweisc absprcchendcn Urthcile, welche er über seine Symphonie vernommen,vernnlaßten Herbeck, einen eigcnthümlichen Weg zu betreten, um von Publicum,Musikern und Kritik ein unbefangenes Nrthcil über seine Compositione» znerfahren. Am 20. Mai componirtc er einen 8 stimmigen gemischte» Chor mitSoli und Orgel ans den kirchliche» Text ,8y6r<mt in lw" und brachte ihn unterdem Pseudonym I'orkinax in einer Hebung des Singvcrcines zum Vortrage.„Man findet eS erhaben, großartig und zerbricht sich den Kopf, wann dieserkertinax gelebt hat. Man glaubt höchstens vor 50 Jahren, weil man einenItaliener ?6rtiime6 dahinter vcrmnthet und Niemand hat eine Ahnung, daßdieser ?6rtiimx niemand Anderer, als ich, Herbeck, sei. So geht's." l) BeimStiftungsfeste des Singvcrcines, das am 31. Mai in der Angustincrkircheabgchaltcn wurde, kam diese Composition als Einlage zur Palestrina'schcnMesse unter seiner Leitung zur Aufführung. „Alles geht vortrefflich. Dasist meine Waffe, mit der ich kämpfe und kämpfen werde." ?) Am 1. Juni schloßHerbeck die erste Periode seiner Thätigkeit im Singvcrein mit „Mirjam'sSicgessang", ein Stück, in welchem der melodische Schubert sich zur Erhaben-heit Händel'S anfschwingt, ab. „Elcktrisirt derart," schreibt Herbeck in seinTagebuch, „wie cs nur »och Beethoven kann. Die Sängerinnen nnd Sängerapplandircn am Schluß lärmend."
Die nach Abschluß der Hebungen nun eintretendc stille Saison gab ihmGelegenheit, in dem eine Stunde von Wien entfernten Orte Gersthof einegrößere Reihe von Chören und Liedern zn schaffen.
Als Schumann für Gesang zu componiren anfing, schrieb er: „Kaumkann ich Ihnen sagen, welcher Genuß es ist für die Stimme zn schreiben imVerhältnis; zur Jnstrumentalcomposition, und wie das in mir wogt und tobt,wenn ich bei der Arbeit sitze. Da sind mir ganz neue Dinge anfgegangcnrc. rc." Nicht minder mag für Hcrbcck diese Art des Schaffens eine Quelledes reinsten geistigen Genußes gewesen sein. Er verbrachte die Sommermonatedieses Jahres fast durchwegs mit der Composition von Gesangstücken, derenin dieser ziemlich productiven Periode entstanden:
>) Tagebuch, kertinax war ein Römer, der von den Prätorianern 192 znin Kaiser ans-gernfen, aber schon kaum ein Jahr darauf ermordet wurde. Ein, wenigstens bedeutenderMusiker unter diesem noch unter dem Namen ?ortinaee existirt nicht,y Tagebuch.
y Wasielewsky Schumann S. 200 und 395.