Druckschrift 
Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
67
Einzelbild herunterladen
 

i!7

OratoriumThimothcus oder die Gewalt der Musik" am 29. November uud3. Deccmber desselben JahreS iu den riesige» Räumen der kaiserlichen Winter -rcitschule mit durchwegs dilettanüsche» Kräften in Gegenwart des Hofes und einesPnblicnms von ungefähr 5000 Personen. Damit war der Anfang zu einer Ver-einigung musikalischer Dilettanten gemacht, welche durch 1)r. Ignaz Sonnlcithncr'SBemühungen sich bald zu einer dauernden gestalten sollte. Sonnleithner erwarbsich, indem er Dilettanten und Kunstfreunde für die Erreichung eines gemein-samen grossen Zweckes: dic Pflege und Förderung der Musik, zu intcrcssirenwußte, große Verdienste. Als ein äußerst witziger Kopf, der beinahe in jedemSatze, welchen er anüsprach, ei» Wortspiel anznbringc» wußte, war er in Adcls-nnd Bürgerkreiscn der Residenz ein gerne gesehener Gesellschafter,') und diesenansgebrcitcten socialen Beziehungen hatte er es wohl hauptsächlich zu danke»,daß die Idee der Gründung einer großen musikalischen Gesellschaft sich endlichverwirklichte.

Im Palais des Fürsten Lobkowitz, welcher dem Dr. Sonnleithner groß-mttthig die Hand zur Hilfe bot, wurde eine Matrikel eröffnet, in welche alle,die dem zu gründenden Vereine beizutrctcn gesonnen waren, ihre Namen ein-trngen. Hier war ein Samenkorn ans fruchtbaren Boden gefalle», denn ineinigen Tagen waren Hunderte von Unterschriften gesammelt. Nach Genehmi-gung der Gründung des Institutes durch Kaiser Franz, erwählte die Gesell-schaft 50 Repräsentanten, aus deren Mitte sich ei» Comits von 12 Personenzum Zwecke der Verfassung der Statuten bildete. Als oberster Grundsatz galt:Die Emporbringnng der Musik in allen ihren Zweigen ist Hauptzweck derGesellschaft, der Selbstgennß und Selbstbetrieb sind nur untergeordnete Zwecke."Man sicht, daß es sich hier nicht eigentlich um die Gründung einer Conccrt-Gesellschaft, sondern vielmehr um jene einer Musikschule handelte. Zn besprechen,wie dieser Hauptzweck sich erfüllte, würde zu weit führen, hier , kann es sichhauptsächlich nur um die Entwicklung der Gesellschaft als Pflegerin der öffent-lichen Conccrtmnsik handeln.

Noch ehe dic Statuten in Wirksamkeit getreten waren, führte der Vereinunter dem Namen einerüber 600 Mitglieder zählenden Gesellschaft von Kunst-freunden" am 11. und 14. November 1813 zum Besten der Hinterbliebenender in den Freiheitskriegen Gefallenen, abermals Händcl'sThimothcns" auf,und ein Jahr darauf, am 16. Oktober 1814, trat sie in der Winterrcitschulemit dem OratoriumSamson" von Händel zum ersten male als eigentlicheConccrt-Gesellschaft vor die Oeffentlichkcit. Diese den Namen von Mnsikfcstcnführenden Darstellungen wiederholten sich in den folgenden Jahren. So kam1815 Händel'sMessias" zweimal und 1816Die Befreiung von Jerusalem"von Abbo Stadler zur Aufführung. Sodann ruhten dieMnsikfeste" bis zumJahre 1834. Die genannten Aufführungen standen unter der Leitung des Hof-

') Castelli, Mem. III. S. 2l1.

5 *