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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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obwohl Spohr schon 1820 die Londoner, unter nicht geringem Aufsehen undmit großem Erfolge, mit den Segnungen des Taktstabes bekannt gemacht hatte.')In Dresden war C. M. v. Weber der erste, welcher die Aufführungenmittels des Taktstabes leitete. 2 ) Die Schuld, warum dies damals in Wien sound nicht anders war, lag nicht an einzelnen Personen, sonder» in der Zeit selbst.

Vom Jahre 1801 angcfangcn bildeten Hahdn's Meisteroratorien fastdurchwegs das Repertoire der Societät. Die Priorität der Aufführung derSchöpfung" sowohl als auch derJahreszeiten" sollte jedoch nicht dieser Vor-behalte» bleiben. Der Sohn des berühmten Leibarztes der Kaiserin MariaTheresia, Gottfried Freiherr van Swietcn, hatte sich nämlich um die Pflegeklassischer Musik in Wien sehr verdient gemacht, indem er 1787 Mozartbeauftragte, einige Hündel'sche Oratorien cinznstndire» und im Saale der Hof-bibliothck zur Ausführung zu bringen. Mozart bearbeitete zu diesem Zweckemehrere Oratorien, und es wurdenAcis und Galathea",Messias",DieOde auf den Cäcilientag" und dasAlcxandcrfest" daselbst den Wienern vor-geführt. 3) Van Swieten rief mm eine adelige Gesellschaft in's Leben, derenAusgaben von den Fürsten Lobkowitz, Schwarzenberg, Dietrichstein, den GrafenApponhi, Batthanh und Esterhazy bestritten wurden. Diese Gesellschaft führteam 19. März 1799 dieSchöpfung" und am 24. April 1801Die Jahres-zeiten" im Palais des Fürsten Schwarzenberg am Mchlmarkt (Neuer Markt)zum ersten male auf. Haydn dirigirte beide Aufführungen persönlich.

Der österreichische Adel hatte sich überhaupt die Pflege der Musik schon seitJahrzehnten angelegen sein lasse». Beinahe alle fürstlichen Häuser besaßen ihreeigenen Musikcapellen, deren berühmteste jene des Fürsten Esterhazy in Eisen-stadt war. Diese folgte im Winter ihrem Herrn nach Wien, um hier untergroßem Zulaufe die Werke Haydn'S und anderer Meister anfzuführcn. lkcber-hanpt war der damaligen Aristokratie ein überaus feiner Knnstgcschmack eigen.Da war gleich ein Graf Czernin, dessen Palais von Kunstwerken aller Artangefüllt war. Auch componirte der Graf manches Liedchen und soll darin denVolkston glücklich getroffen haben. Im Hanse des Fürsten Lobkowitz wurdeMusik im großen Style getrieben. Kräfte der kaiserlichen Oper wurden zurMitwirkung gebeten, und der Fürst selbst sang ab und zu mit sciitcr schönenBaßstimme mit. In diesen adeligen Gesellschaften herrschte ein feiner unddoch ungezwungener Ton, welcher jeden neu Eintretenden cinnehmcn mußte;wenn man sich dazu die schönen, mit den herrlichsten Geistesgaben ausgcstattetcngräflichen und fürstlichen Franc» denkt, so wird es begreiflich erscheinen, daßZeitgenossen in der Schilderung jener Verhältnisse oft einen überschwänglichen

y Spohr Sclbstbiographie. II. 86 ff.

2 ) C. M. Weber, Lebensbild von M. M. v. Weber. II. S. 82 s.y Jahn Mozart. II. S. 398 ff.y Reichardt Vertraute Briefe ans Wien. I. S. 180 ff.