Spitze des Unternehmens stand ein, gewissermaßen den Vermittler zwischenThron nnd Gesellschaft vorstcllcnder Aristokrat, nntcr diesem der Präses desInstitutes, welcher der jeweilige erste Hofeapellmeistcr sein mußte, als Mit-glieder durften alle Musiker beitreten, welche die Einzahlungen leistete» undsich an den Produetionen betheiligen tonnten. Diese bestanden ans jährliche» 2,sich je einmal wiederholenden Akademien, deren erste am 29. Mürz 1772 imKärntnerthor-Theater stattfand, wobei das, den Stoff Judith und Holofernesbehandelnde Oratorium „Hotulin kiborutn" von Gaßmann -—dem Gcschmackeder Zeit angemessen, mit italienischem Texte — anfgcftthrt wurde. Diese Pro-ductionen fanden immer vor Weihnachten und Ostern u. zw. von 1772—83im Kürntncrthor-Thcater und von da an bis in die jüngste Zeit in dem höchstunaknstischen National-(Knrg)-Theatcr statt.
Es war eben die Pflege des Oratoriums, welche die Gesellschaft sichznm idealen Hauptzwecke gemacht hatte, nnd es wurden bis zum epochemachendenErscheinen der „Schöpfung" und „Jahreszeiten" um die Wende des 18. und19. JahrhnndertcS folgende hervorragende Werke dieser Gattung aufgcführt:Hasse, 8anekn kUenn nl Onlvnrio — Dittersdorf, Ester — Bcrtoni, Dnvvnls11 pönitonto — Dittersdorf, Isaeeo — Salieri, Im passiona cii Oosu Oliristo— Händel, Judas Maccnbnus — Dittersdorf, Oiobs — Haydn, Die Wortedes Heilandes am Kreuze. Daß häufig das ganze Oratorium nicht in einemZeitlanfc gespielt nnd gesungen, sondern mehrmals durch Flöten-, Clarinctt-,Oboe- oder Violinconccrte unterbrochen wurde, muß man dem eben nichtgeläuterten allgemeinen musikalischen Gcschmacke jener Zeit schon zu Gutehalten: jedenfalls war der Wille der beste. Neben Oratorien fanden hier nndda auch gemischte Concerte statt, in welchen das Publicum mit den Productcnzeitgenössischer Componisten bekannt gemacht wurde. Hinsichtlich aller dieserProduetionen kann jedoch von einer correctcn Vorführung im eigentlichen Sinnedie Rede nicht sein. Das Orchester wurde nämlich vom ersten Primgeiger, vondessen Platze ans, geleitet, während bei Chören nnd Soli außerdem ein zweiterDirigent beim Clavier fnngirtc; nur selten trat ein dritter dazu, der, miteiner Papierrolle den Takt schlagend, die Hauptleitung innehatte: von demheutzutage maßgebenden, dem Homcr'schcn „Ein Herrscher soll sein" entspre-chenden, einzig richtigen Grundsätze, daß Musikstücke, deren Ausführung einegrößere Anzahl von Mitwirkcuden erfordert, von einen: Musiker eiustudirtund geleitet werden müssen, um eine präzise Aufführung zu erzielen, hatte inandamals nur eine undeutliche Ahnung. Dieser Mißstand zeigte sich nicht in Wienallein. Noch im Jahre 1831 bestand in den Concerten der philharmonischenGesellschaft in London die Gepflogenheit, daß der „Conductor" am Clavierein seiner Partitur fleißig mitlaS, ohne die Ausführung selbst eigentlich zubeeinflußen, während den: ersten Geiger die wirkliche Leitung der Werke oblag/)
y Moschelcs' Leben, von seiner Fran, I. S. 228.