schaft in London auf.') Solidem lag die Musik brach nnd das Mannscript unbe-achtet im Kasten Ferdinand's, bis Herbeck darüber kam und gleich mehrereStücke u. zw. die Scene für Tenor und Baß mit Chor und die Scene fürSopran und Chor in den Männer-Gesang-Vercin brachte. 2 ) Herbeck stellte dieOper sehr hoch. „Ein kolossales Werk" schreibt er, „das ans der Bühne mächtigwirken müßte, nie aufgeführt, niederträchtige Welt!"") Um damit eine wirk-same Vühnenanfführnng zu erzielen, müßte das Werk allerdings in vielenRichtungen einer Umarbeitung, etwa in der von Speidel angedentetcn Weise')unterzogen werden. Die rein musikalische Wirkung, welche bei einer Concert-aufführung ja auch nur verlangt wird, war nach Herbcck's Wiedergabe einedurchgreifende.
Im zweiten Vercins-Concertc (21. März) brachte er »eben anderem das schöneVolkslied „Prinz EngeninS" (nach der ältesten Aufzeichnung vom Jahre 1710sagt das Programm) zur Aufführung. Den Schluß dieses Coneertes bildeteSchubert's 23. Psalm, welchen Herbcck statt von einem Clavier, von derzufällig im Saale ausgestellt gewesenen Orgel begleiten ließ, „was auch seineWirkung machte".
Hiermit möge die Schilderung der ersten Epoche seiner öffentlichen Wirk-samkeit ihren Abschluß finden. Es sollte der Thütigkcit Herbcck's nun ein neuesFeld eröffnet werden, auf dem cs ihm vergönnt war, in das Musikleben derResidenz mächtig fördernd, ja geradezu rcsormirend einzugreife».
') ürove I)ivt. ok »ms. Ul. p. 358.
'-) Der Verein honorirtc Ferdinand für die lleberlassnng des Mannscriptcs nnt 100 fl.
Diese Ansicht wird scheinbar widerlegt durch die Thatsnchc, daß während Herbcck'sOperndircctorinm Fierrnbras in das t. k. Hofoperntheater nicht eingcsührt wurde. Allein,wenn inan bedenkt, mit welchen Schwierigkeiten er zn kämpfen hatte, wenn es sich um dieEinverleibung einer Oper in's Repertoire handelte, deren finanzieller Erfolg nicht vorans-zusehen war, so erscheint cs ganz begreiflich, daß Hcrbeck, bei dem ihm bekannten „Kunstsinn"der Herren Intendanten, die Angelegenheit „Ficrrabras" überhaupt nicht berührte nnd dieSccnirnng der Oper sich auf „bessere Zeiten", die aber leider nicht kamen, »ersparte.
Wiener Zeitung vom 9. März 1858.