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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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Der Großherzog setzte ei»c» Stolz darein, die Süenlarfeier dadurch zubegehe», daß er das Andenken dreier deutscher GcisteShcrocn iu würdiger undbleibender Weise ehrte: zuerst wurde die vom Berliner Bildhauer Nit sehetgeschaffene Gocthc-Schiller-Gruppc, später das Wneland-Monnmcnt, das WerkdeS Oesterreichcrs Haus Gasser, feierlich enthüllt. Der deutsche Fürst zeigtebei dieser Gelegenheit öffentlich, was ein wahrer Künstler i» seinen Augen galt.Nachdem nämlich die Hülle deS Monumentes gefalle» war, entblößte der Groß-herzog seine Rechte, drückte Nitschcl hcrzlichst die Hand und stellte ihn mit einerbezeichnenden Bewegung der darüber in Jubel ausbrcchendcn Volksmenge alsden Schöpfer des Werkes vor. Achnlich benahm sich der Großherzog gegenGasser bei der Enthüllung deS Wicland-MonnmcntcS. Diesen Feierlichkeitenschlossen sich würdige Anfsührnngcn im Hoftheatcr an, und das von Liszt geleiteteEoncert am 5. September bildete den Abschluß der Festlichkeiten. Das Programmenthielt: Schiller'SAn die Künstler" von Liszt für Münnerchor und Orchestereompvnirt, dessen symphonische DichtungDie Ideale" (nach Schiller), Liedervon Schubert, den Liszt'schcn Chorlieber allen Wipfeln" und seine symphonischeIllustration desFaust".') Herbcck hatte da also vieles gesehen und gehört. DieHanptbetrachtnngcn, welche er nach dem Feste anstellte, mögen vergleichenderNatur gewesen sein, denn unwillkürlich mußten angesichts dieses inneren undäußeren Glanzes die Wiener Zustände in ihrer ganzen Armsäligkeit vor sei»geistiges Auge treten. Goethe, Schiller und Wieland hatten in dem kleinenWeimar ihre Monumente; in Wien dachte wohl noch niemand daran, einemDichter ein Denkmal iu Erz oder Stein zu setzen, während der Gedanke, jeneMusiker, welche in Wien ihre größten Schöpfnngc» vollendet und der öster-reichischen Residenz dadurch recht eigentlich das unvergängliche Merkmal einerMusikstadt ausgeprägt hatten, in solcher Weise zu ehren, ab und zu zwar auf-tanchte, aber Dank der Thatenlosigkeit der einflußreiche» Männer erst Deeennienspäter Verwirklichung fand. Wie paradiesisch mußten ihm aber Weimar's Knnst-verhültnissc gegen jene Wicn's erscheinen, wenn er Liszt'S Stellung mit seinereigenen verglich! Freilich war Liszt ein Künstler, der eine lange, glänzende Lauf-bahn hinter sich hatte, während Herbeck eben anfing, sich i» der Oeffcntlichkcitbemerkbar zu machen. Aber hatte er angesichts der damaligen Wiener Verhält-nisse, welche in dein nächsten Abschnitte eine ausführlichere Besprechung erfahrenwerden, überhaupt die Hoffnung, jemals einen künstlerischen Wirkungskreis zuerhalten, welcher jenen Liszt'S in Weimar auch nur im entferntesten glich?

Es durfte genügen, Hcrbeck's Gedanken und Pläne, von welchen seinGeist ans der Heimreise erfüllt gewesen sein mag, hier angcdentct zu haben.Er kehrte über Leipzig, wo er sich Vcrlagsangclegenheiten halber kurze Zeitaufhielt, nach Wien zurück; am Morgen des l3. September, einem Sonntage,traf er daselbst ein. Hier brachte er in Erfahrung, daß der Mnnncr-Gesang-

>) Zcllucrs Blätter für Musil Nr. 75, ff. Jahr 1857.