— .10 —
»otirt über dieses Ereignis;: „Gesang der Geister über den Wassern" vonFr. Schubert im Jahre 1821 componirt und im Jahre 185,7 von mirals gänzlich unbekanntes Mannscript anfgefnndcn! Gehört zu den größten,kühnsten Offenbarungen dieses Genius!" Und in der Vorrede zur Schubert-Ausgabe (s. Anhang S. 113) sagt er darüber: „Wenn er (Schubert) „mit Geister-händen in die geistigen Tiefen greift" und zu singen anhebt: „Des Menschen
Seele gleicht den Wassern".wem dann das Blut nicht heißer rollt,
wer da nicht jauchzen und weinen kann, der fühlt nicht die Musik, er verspürthöchstens den Schall — dem wird der Musik gehcimnißvoller Zauber fürimmer eine van verrückten Dichterlingen ersonnene Fabel sein." Bei der Probewurde das Stück allseitig acclamirt, und als Herbeck dasselbe vom Plenumdes Vereines singen ließ, erregte cS eine solche Begeisterung, daß die Sängerbis ^ ans 11 Uhr Abends (die Probe begann um 8 Uhr) unverdrossen nus-harrten. Wie gerührt Herbeck von diesem Fleiße und dieser Hingebung war,beweisen die von ihm nicdergeschricbenen Worte: „Franz, könntest Du dassehen und hören!" Da die Jahreszeit einer ersten Aufführung eines sobedeutenden Stückes ungünstig war, so verschob Hcrbeck dieselbe bis zu demersten Vcrcins-Coneert, welches im December stattfand.
In der Probe am 10. Juli brachte Herbert noch den „Nünbergesang"und zwei kleinere Quartette von Schubert zur Lesung, welche Compositionen seinerAnsicht »ach zwar nicht an den Geistergesang hinanreichten, die er aber „durch-wegs reizend" fand, ferner das für Wien ebenfalls ganz neue „Tournierbankctt"von E. M. voil Weber — „kraftvoll rauschend, schäumend wie Feuerwein",— dann Jagdlieder von Schumann — „einzelne von großer Schönheit", —die Vvcalmessc von LiSzt — „voll Geist und Originalität", — ein böhmischesVolkslied l) und „Oberschwäbischcs Tanzlied" -), „zwei allerliebste Natnrkindcr",endlich einen Chor eigener Factnr „Mucker und Schlucker".
Die schöpferische Thntigkcit im erste» Halbjahre 1857 war eine minimale;es entstand nur das „Morgcngebet". Im August, als Herbcck sich zu einerReise nach Deutschland anschicktc, setzte er das philosophisch-weltschmerzlicheGedicht Lcnnu'S „Die drei Zigeuner" in Musik und nahm das Manuseriptnach Weimar mit, um es LiSzt zn überreichen. Daselbst fanden nämlich AnfangsSeptember aus Anlaß der Feier des hundertjährigen GebnrtöfesteS des Groß-hcrzogs Karl August, große, mit künstlerischen Aufführungen verbundene Fest-lichkeiten statt, zu deren passiver Theilnnhmc Herbeck von LiSzt eingcladcnworden war. Er verband diesen Ausflug mit einer Nnndtour durch Norddeutsch-land. Am 15. August verließ er Wien und begab sich vorerst nach Berlin.Schon die Gegend zwischen Dresden und der preußischen Hauptstadt, die „Gotti» seinem Zorne geschaffen zu haben schien" bereitete eine nicht günstige Stim-mung zur Aufnahme der Eindrücke Bcrlin's in ihm vor, das ihm mit seinen
>) Silchcr, VII. Nr. 8.2 ) Silchcr, VII. Nr. 6.