Ich habe die Kranke zur Zeit, wo die Amenorrhoe anfing(Sommer 1893) nicht gesehen, und vermag über die Ursachederselben nichts zu sagen. Der amcnorrhoische Zustand hat aberdurch dreiviertel Jahre gedauert und hat trotz der sorgfältigenBehandlung keinerlei Unterbrechung erfahren. Erst in unmittel-barem Anschluss an die Nasenätzung (Februar 1894) begannendie Menses, wenn auch schwach, sich zu zeigen, und eine gründ-liche Therapie der Siebbeineiterung hat dann den Erfolgcompletirt.
Merkwürdig ist, dass auch die Anämie sich auf die ersteNasenbehandlung und mit dem dadurch gegebenen Eintritt derRegel so auffällig besserte. Man hätte dies Zusammentreffen fürzufällig halten können, wenn nicht im November nach dom Sturzvon der Treppe die Anämie und die Amenorlioe ganz acut wiederaufgetreten und mit einer sehr auffälligen Nasenveränderung —enormen Blähung der Genitalstellen — einhergegangen wären. DieseNasenveränderung wich der Electrolyse. Zwei Tage später erscheinendie Menses und mit ihnen ist der anämische Zustand fast wieabgeschnitten!
Und ein drittes Mal im April 1895 (wo ein echtes Ulcusventriculi bestand) cessirt die Regel zunächst und wird ebenfallsdurch Electrolyse derselben Nasen-Stellen hervorgerufen. Und zwarerscheint sie auch diesmal in derselben Zeit nach dem electro-lytischen Eingriff (2 Tage) wie im November.
Es kann sonach gar keinem Zweifel unterliegen, dass dienasale Therapie die Amenorrhoe beseitigt*) hat und dass sie mittelbarauch dem anämischen Zustand (der von bedenklicher Schwereschien — er hatte durchaus den Eindruck der perniciösen Anämiegemacht) ein Ziel gesetzt hat.
Dass ausserdem die Dysmenorrhoe beseitigt wurde, wird unsnach dem, was wir bereits wissen, kaum Wunder nehmen.
Wohl aber darf ich noch ganz besonders darauf hinweisen,dass auch die Herz-Arrhythmie von der Nase abgehangen habenmuss. Denn sie ist seit Vollendung der Nasentherapie ganz undgar gewichen.
*) Vergleiche auch Oppenheimer: Ueher Rhinitis hypertrophica und Ame-norrhoe. Berl. Klinische Wochenschrift 1892, Nr. 40. Der Autor gibt dort 4 Fälle“als Material“ für die Möglichkeit des Zusammenhanges „ohne weitergehendeSchlüsse daraus ziehen zu wollen“.