IX
Vocale a und o mit Circumflex versehen, um zwei gleichgeschriebene■Wörter zu unterscheiden. Und ebenso habe ich bisweilen die T 011 -hingung in geschlossener Silbe durch ä, 5, ö angedeutet. Zuweilenbin ich unsicher gewesen, oh ich e, e oder e ansetzen sollte, und nichtimmer mag ich das nichtige getroffen haben. Die Endung el inFremdwörtern, wie padderel, tassel, fardel etc., habe ich nach desVerfassers Vorgang (s. z. I». kordel) el geschrieben, doch ist mir nach-träglich wahrscheinlicher geworden, dass man el zu schreiben und zusprechen hat. Ebenso habe ich nach seinem Beispiele die fremd-ländischen Endungen ie (z. B. olie, passie, familie, vitalie) und ie(z. B. ogelie, paperie, faselerie) nicht geschieden.
Der Verfasser war, wie er mehrfach kundgegeben hat, davonüberzeugt, dass die mittelniederdeutsche Sprache keinen Umlaut ge-kannt halte, mit Ausnahme des von a und ä, wo die Schreibung efreilich keinen Zweifel zulässt. Demgemäss ist er sowohl im Grossen,wie im Hand-Wörterbuch verfahren. Schiller war, wie wir durchK. Schröder’« Mitteilung in der Germania 19, 120 wissen, entgegen-gesetzter Ansicht. Obwohl ich gleich Schiller und Schröder derMeinung bin, dass bereits im Mittelniederdeutschen der Umlaut auchandere Vocale ausser a ergriffen hat, so durfte ich doch einmal heiHerausgabe von Liibben’s Arbeit diese Meinung nicht zur Geltungkommen lassen, und andererseits liegt die Frage noch gar nicht sospruchreif, dass man für jeden einzelnen Fall sicher den Umlaut zubehaupten oder zu leugnen vermöchte. Ist doch seit nicht gar langerZeit überall erst die Untersuchung über den Umlaut und andereFragen der mndd. Lautlehre möglich geworden. Früher hinderte derMangel an Ausgaben der Sprachquellen, besonders an genauen, gewissen-haften. Es ist das Verdienst von Juristen und Historikern, wieIlomoyer, Wehrmann u. a., zuerst die Notwendigkeit getreuer Wieder-gabe der handschriftlichen Vorlagen erkannt zu haben. Ihnen sindjüngere Editoren, wie z. B. Hlinselmann, Koppmann und überhauptdie Waitz’ische historische Schule gefolgt, so dass in ihren Publicationenjetzt schon ein umfangreiches Material für das Studium der Sprachevorliegt. Auf der Thätigkeit der Philologen ruhte dagegen lange wieein die Entwickelung hemmender Meltau eine aus unzulänglicherKenntnis des Mittelniederdeutschen abgezogene Normalorthographieund eine Geringschätzung der Weise, in welcher das Mittelalter seihstmeinte am täglichsten die Laute des Niederdeutschen darstellen zukönnen. Das scheint anders werden zu wollen: es mehren sich dielauteren Textausgaben von guten Handschriften und alten Druckenauch aus der schönwissenschaftlichen Litteratur. Meines Bediinkenskann auf diesem Wege fürs erste nicht leicht zu viel geschehen, selbstwenn der ästhetische Wert oder der geistige Gehalt der Dichtungennur gering sein sollte. Die Folge würde sein, dass die Erforschungder Lautlehre und Grammatik neuen Aufschwung nehmen kann. Manwird sich betreffs jener die Frage vorlegen müssen, ob wir mit Rechtferner die Consonantzeichen f, gli, y, sc, ssch, z, tz und die Vokal-