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der Zeit herschreibt, da wir die Monate in ihrer natürlichen Reihen-folge auswendig lernten, während eine solche mechanische Associa-tion in umgekehrter Richtung nicht besteht. Der Paralytiker nun,so meine ich, hat jene höhere Fähigkeit, die locale, also simultaneOrdnung und Ueberschauung complexer Vorstellungsgebilde, schonverloren, und geblieben ist ihm nur jene oberflächliche, mechanischeAssociation der Namen, die den Sinn nicht mehr verstehen lässt.So zeigt sein Beispiel, dass diese beiden Fähigkeiten von Grundaus verschieden sind.
Aber unsere Erklärung des Verstehens bewährt sich nichtnur bei einzelnen Sätzen, sondern auch bei ungleich umfangreicherenGedankenverbindungen. So sagt z. B. Schopenhauer in der Vor-rede zur »Welt als Wille und Vorstellung« 1 ), dieses ganze Werksei nichts als die Ausführung eines einzigen Gedankens. Das Wort»Gedanke« dürfte hier nicht gar glücklich gewählt sein. Denn aufeinen einzigen Gedanken wird wohl kaum jemand alle die Er-örterungen über subjective Bedingtheit der Welt, Primat des WillensPräponderanz des Übels, Bejahung und Vereinung des principiiindividuationis zurückführen können. Wohl aber werden sie allezusammen ein einziges, einheitliches Welt-Bild ergeben, wie esetwa, wenigstens in seinen optischen Bestandtheilen, ein bedeutenderKünstler als Titelvignette entwerfen möchte. Die ruhige Majestätder unbelebten Natur, das unendlich vielfältige Keimen, RauschenBlühen und Verwesen der Pflanzen, die ohne Rast hastende undjagende Welt der Thiere und Menschen — alles zusammengehaltendurch das einheitliche Gefühl von dem brünstig regsamen Willen,der sich doch alsbald wieder in drückende und peinliche Er-schlaffung auflöst. Ein derartiges Weltbild, eine derartige Welt-anschauung, wie die Sprache treffend und malerisch sagt, wollteSchopenhauer mittheilen; seine Zerlegung ergibt die 4 Bücherder »Welt als Wille und Verstellung«. Denn 2 ) »ein Buch muss eineerste und eine letzte Zeile haben und wird insofern einem Organis-mus sehr unähnlich bleiben, so sehr diesem ähnlich sein Inhalt seinmag«. Und zu einem derartigen Bilde setzen sich die vier Bücher imGeiste des verständnisvollen Lesers wieder zusammen.
Und ist denn nicht jedes lyrische Gedicht im gleichen Falle?Was bringt denn etwa Goethes »Über allen Wipfeln ist Ruh’« etc.
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*) Schopenhauer, Ges. Werke, II, pag. VIII.
2 ) Schopenhauer, a. a. O. pag. IX.