Druckschrift 
Der Grosse Kurfürst und Moritz von Nassau, der Brasilianer : Studien zur brandenburgischen und holländischen Kunstgeschichte
Seite
202
Einzelbild herunterladen
 

202

Anhang.

Ingenieur und Medailleur. Er verfertigte auf Kurfl. Befehl einen 1088herausgekommenen perspect. Plan von Berlin auf 8 Bogen, welcher sein-genau, jetzt aber sehr rar ist; desgl. verfertigte er für KurfürstFriedrich TU. eine, Anzahl Denkmünzen.*) Er starb I0!)ö.

Architekten, Ingenieure etc.

100. Karl Philip]) Dicussart. Er war Fürst.]. MeklenburgischerArchitekt, und gab 1070 zu Güstrow ein Theatram Arcliitecturae civilisin deutscher Sprache, in Fol. heraus, welches Buch er dem KurfürstenFriedrich Wilhelm zueignete. Er nennt sich auf dem Titel Rom; ver-muthlich, weil er in Rom studirt hatte. Ei- ward 1088 zum Kurfürstl.Baumeister und Bildhauer in Berlin und in Potsdam mit '200 Rthl. Gehaltbestallt. Er hat vermuthlich in Potsdam gewohnt. Was er daselbst undin Berlin gebauet, hat, ist mir nicht bekannt.

107. Samuel von Sucliodoloz kam schon 1062 in Kurfürstl.Kriegsdienste, ward 1079 zum Kurf. Landmesser u. Ingenieur in der Markund Preussen bestellt. Er verfertigte eine Karte des Herzogthums Preussen.1082 ward er zum Kurf. Kammerjunker ernannt Im K. Archiv ist vonihm ein Band Zeichnungen vom J. 1072 von der Stadt Potsdam, demSchlosse, der Fasanerie etc., nach d. damaligen Beschaffenheit, vorhanden,welche nachher von Bartsch auf Kurf. Kosten in Kupfer gestochen worden;desgl. eine Karte von einem in Preussen anzulegenden Kanäle, zur Ver-einigung des Pregels mit andern Flüssen, durch die Landseen bei Johannis-berg und Lyk.

108. Benedict de Munter. Fasanenmeister des Herzogs zuZelle, ward 1087 nach Berlin berufen, um die Springbrunnen im Lust-garten in Gang zu bringen.

TI. Nachlese.

Maler und Kupferstecher.

109. Remigius oder Reynier Nooms gen. Zeemann, ein be-rühmter Maler u. Kupferstecher zu Amsterdam, um 1080. Er war An-fangs ein gemeiner Matrose, legte sich aber auf die Malerei und zeichneteso fleissig nach der Natur, dass er es in Seegefechten, Schiffen und Pro-spekten sehr weit brachte, woher er auch s. Beinamen erhielt. Er radirteauch Stücke von eigener Erfindung. Er ist eine Zeit lang in Berlin ge-wesen. Es findet sich von seinen Arbeiten etwas in der Kgl. G-alleriezu Berlin.

110. Joh. Jakob Rollos, ein Historienmaler. Der Kurf, liessihn auf seine Kosten reisen, um die Malerei zu studiren, wozu er in Berlinschon den Anfang gemacht hatte. Er ging nach Holland und von da nachParis, wo er sich um 1070 aufhielt und verschiedene Gemälde soll gemalthaben. Er hielt sich daselbst eine Zeitlang auf, ergab sich aber mehr denWollüsten als seiner Kunst. Er wollte weiter nach Italien reisen und gingüber Bern, wo er eine Zeichnung zu einem Grabmal des Schultheiss (Sigis-mund von Erlach machte, der 1099 starb. Nach dieser Zeichnung wardhernach das Grabmal modellirt, in Erz gegossen u. zu Spietz am ThunerSee im Kanton Bern aufgestellt. Er hat an dieser Zeichnung, wie eingleichzeitiger Künstler sagt**), gezeigt, dass er ein mehr als gemeiner Malersei. Indessen ist wirklich dieses Grabmal nur von ziemlich gemeiner Er-

*) G-ütter’s Leben König Friedrich I. in Münzen, S. 21 ff.

**) Füssli, Geschichte der Maler in der Schweiz. II. S. 162 (zu W. Sattlers Leben).