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Der Grosse Kurfürst und Moritz von Nassau, der Brasilianer : Studien zur brandenburgischen und holländischen Kunstgeschichte
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Friedrich Wilhelms Vorliebe für Bildnisse.

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brauchte, um solche Erscheinung in die Sphäre des Heroischenzu erheben.

Die Geschichte kennt nicht viele Persönlichkeiten von ähnlichgrossartiger Harmonie körperlich und geistig bedeutender Eigen-schaften. Manche dieser Heroen hatten indess das besondere Glückgehabt, die richtigen künstlerischen Ingenien vorzufinden, die ihnenaus gewissermassen natürlichem Antriebe und aus wirklicher Be-geisterung ihre Dienste weihten. Deren für die Nachwelt un-schätzbare Werke repräsentiren darum ein hervorragendes Ver-dienst nicht bloss der betreffenden Meister, sondern auch derKunst jener Zeit, welche die Bildnissschöpfungen entstehen sah.Kurfürst Friedrich Wilhelm hatte dagegen dieses Glück jeden-falls nicht in dem Maasse getroffen, als er es verdiente. Erhatte sich seine Künstler so eifrig wie nur je ein Fürst suchenmüssen, um sie in Folge dessen ziemlich auswahllos zu nehmen,wie und wo er sie bekommen konnte. Er hatte sie nur durchreichliche Honorare oder feste Anstellung als Hofkünstler fesselnkönnen; und Angesichts der für Kunstzwecke geopferten Summenerscheinen uns die pekuniären Schwierigkeiten, mit welchen derNachfolger Georg Wilhelms so oft zu kämpfen hatte, fast un-glaubhaft. Maler, Bildhauer, Architekten, Ingenieure und Kunst-handwerker standen dauernd in seinem Dienst*), und diesenLeuten gegenüber schien seine sonstige Sparsamkeit, durch dieer einer der besten Haushalter imter denHohenzollern gewesen war,mitunter die Geltung verloren zu haben. Aber seine Kunstliebewar frühzeitig in den Niederlanden entzündet, sie verlangtenach Nahrung, nach mäcenatischer Bethätigung, und dazu trateben jenes mit Ehrgeiz verschwisterte Selbstbewusstsein, dasbei grossartig angelegten Persönlichkeiten zwar nicht zu klein-licher Selbstgefälligkeit, wohl aber zu einem Kultus des eigenen,künstlerisch veredelten Abbildes führen kann. Der kurfürstlicheZeitgenosse Rembrandts übertraf in der Neigung, sich porträtirenzu lassen, die meisten Herrscher seines Jahrhunderts. Ein Theil

**) Ausser 3?\ Nicolai, Nachricht etc. (Berlin und Stettin 1786) bildet namentlichKönig, Collectaneen zur Geschichte der Künste und Künstler, Manuskript aus dem Anfangdieses Jahrhunderts in der Berliner Königlichen Bibliothek, eine reichhaltige Quelle für dieBrandenburgische Kunstgeschichte. — So umfangreich das Verzeichniss der für den GrossenKurfürsten thiltig gewesenen Künstler schon heute ist, treten doch noch immer neue Namenan’s Tageslicht. Ygl. die Anmerkungen im Anhang.