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Der Grosse Kurfürst und Moritz von Nassau, der Brasilianer : Studien zur brandenburgischen und holländischen Kunstgeschichte
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VI. Eine kurfürstliche Ruhmeshalle.

Den Geschmack an derartigen Historien verdankte diekunstsinnige Stifterin des Oraniensaales, Amalia von Solms, dieWittwe jenes Prinzen, augenscheinlich dem Vorbilde der Mariavon Medici, Königin von Frankreich, die im Jahre 1626 Hubensnach Paris berief, um ihn mit Schilderungen der Thaten ihresverstorbenen Gemahls, Heinrichs IV., zu beauftragen; dieser Auf-trag sollte freilich nicht über einen Theil der Skizzen hinausErledigung finden. Aber dafür waren wenige Jahre zuvor diein völlig gleichem Geiste geschaffenen 21 Bilder vollendet, aufwelchen die kunst- und ruhmbegehrliche Mediceerin von RubensHand ihre eigenen Lebensschicksale hatte verherrlichen lassen.Dieser berühmte Gemäldecyclus des Louvre schmückte ehedemden Palast Luxembourg und entsandte von hier aus seine Strahlenbis nach England, Holland und Brandenburg.

Es lässt sich wohl begreifen, dass Friedrich Wilhelm, derschlichte Hohenzoller, schon frühzeitig vorbereitet durch dieschwelgerischen Feste des Haag, bei denen, wie uns Groen vanPrinsterer erzählt, aus goldenen Tellern und Gefässen gespeistwurde, allmälich Gefallen daran fand, die Kunst gelegentlichauch als ein Zauberspiegel zu betrachten, durch welchen diegewöhnlichen Ereignisse des fürstlichen Lebens einen erhöhten,übersinnlichen Glanz, eine Potencirung ihrer Bedeutung empfingen.Diesem künstlerischen Zeitgeschmack der Grossen konnte sichseine in der Regel freilich strenge, nüchterne Wahrheitsliebe infestlichen Stunden um so lieber ergeben, als derselbe seinemfrüh entflammten Ehrgeiz entsprach und nicht zum Wenigstenauch durch die Eigenart seiner persönlichen Erscheinung unter-stützt wurde*). Man rufe sich seine ehrfurchtgebietende Gestaltmit dem energischen Schnitt des kräftigen, lockenumwalltenHauptes ins Gedächtniss, man denke an seine kühnen ent-schlossenen Thaten, seinen Unternehmungsgeist auf allen Ge-bieten, seine hochherzige Gesinnung, und man wird bekennen,dass die Phantasie des Künstlers nicht viel hinzuzufügen

*) Heber seine frühere Leibesbeschaffenbeit soll sich der Kurfürst selbst einmal ge-äussert haben, wie sein Leibmedicus Dr. Gahrliep von den Mühlen in seinen Memoiren(püblicirt von J. C. D. Oelrichs, Greifswald 1769) berichtet. Er soll dabei auf die Schurke-reien des Grafen von Schwarzenberg eingegangen sein, der ihm wiederholt nach dem Lebengetrachtet und ihm schliesslich Gift bei einer Festlichkeit beigebracht hätte, „also, dass ErSich absentiren müssen, sehr krank... geworden, endlich zwar noch beym Leben erhalten,aber doch davon gleichsam gantz aussätzig und hässlich im Gesicht geworden; bis nacherfolgter Heyrath sich der Ausschlag wieder verlohren, und Er zur vorigen Gestalt wiedergelanget.“