Friedrich Wilhelm lernt zeichnen und malen. 73
mann aus dem Herzogthum Berg, geleitet. Leuchtmar, dereigentlich „von Kalkun“ hiess, stand der Praeceptor Jacob Müllerzur Seite.
Zu den Lehrgegenständen des kurprinzlichen Unterrichts ge-hörte in Küstrin auch das Z eichnen.*) Und gerade diese Beschäfti-gung scheint dem damals 8jährigen Knaben grosses Vergnügen be-reitet zu haben. Denn Leuchtmar konnte im Dezember 1628 anden Hof berichten, dass der Prinz zum Malen viel Lust ver-rathe und sich fleissig darin übe; in anderen Studiis aber, somusste er wahrheitsgemäss hinzufügen, gehe es trotz aller Mühenur langsam. Wie natürlich für einen phantasiereichen Knabendie Schwierigkeit des mechanischen Lernens! Solchem Kindefehlt noch der feste Wille, den Geist so zu concentriren, dass esgleichen Schritt halten kann mit der Verstandesthätigkeit andererKnaben, die nicht durch das Gaukelspiel reger Phantasie ab-gelenkt werden. Erst wenn sich mit den Jahren dieser festeWille einstellt, dann entwickeln sich, wie von Raumer richtigbemerkt, „aus den langsam lernenden Köpfen oft die begabtestenMänner“. „Die Liebe zu den zeichnenden Künsten aber hatden grossen Kurfürten durch das ganze Leben begleitet“.
Und dass Georg Wilhelm auch seines Sohnes frühent-standene Neigung für Antiquitäten gern unterstützte, erkennenwir daraus, dass er ihm kurze Zeit nach der Ankunft imUniversitätsort Leyden, als Erwiderung auf ein Geschenk, welchesin einigen indischen u. a. Curiositäten bestand, ein Kästchen mitseltenen Denkmünzen verehrte, das indess bei Rathenow vonschwedischen Reitern erbeutet wurde. Ferner suchte er das fürdie militärischen Studien seines Sohnes sehr wichtige geome-trische Zeichnen dadurch zu fördern, dass er sich den Luxusnicht versagte, ihm die subtilsten mechanischen Instrumente inLeyden kaufen zu lassen. Folgende Stücke sollte der clevischeRentmeister Lucas Blaspiel für den Kurprinzen auswählen resp.bestellen: „1) Einen ganzen Cirkel von Messing mit Stab und
Zubehör, darauf auch eine Scala gerissen ist, um jede Höhe,Breite und Weite zu messen, und ein Futteral oder Custodi,dazu 2) Einen stählernen Handcirkel, daran der eine Fuss getheilet-und mit einem subtilen Schräubchen kann gerücket werden,3) Einen Handcirkel, daran beide Füsse ganz, und 4) Ein Paar
*) Lehrer war Valtin Müller, vielleicht ein Verwandter jenes Jacob M.j vgl. Anhang.