Fürst Moritz und Brandenburg.
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berufen wurde. Im Uebrigen willfahrte der Kurfürst, so oft alsum’ angängig den Vorschlägen und Gesuchen seines Statthalters,dessen vielseitige Verdienste er hochschätzte und den er besondersin baukünstlerischen und verwandten Dingen als eine Autoritätverehrte. Trotz des Jahrzehnte langen eifrigen Verkehrs schenktesich übrigens Moritz in seinen Eriefen niemals die vorgeschriebeneTitulatur seines kurfürstlichen Herrn oder die Ausdrücke „unter-thänigst“ und „gehorsamst“, während der Letztere in seinen Re-skripten stets bei der Anrede „Ew. Liebden“ verblieb und sichnur bei Handschreiben gelegentlich der Uebersckrift Monsieurmon cousin bediente*).
Nun aber zurück zu unserer obigen Hypothese. Was wirvon Moritz behaupteten, glauben wir durch unsere Betrachtungenbewiesen zu haben. Es lässt sich geradezu von einer Kulturmissionsprechen, die der „Brasilianer“ gegenüber Brandenburg erfüllt hat.Er mag als Diplomat auf seinem schwierigen Posten am Nieder-rhein nicht zweifelsohne gewesen sein; aber nicht Unfähigkeitdarf man es nennen, wenn sich seine Handlungen nicht immermit den Interessen eines einseitigen politischen Bekenntnissesvertrugen, sondern Folge seiner Lebensauffassung, seiner Huma-nität. Milde zu regieren und auf dem Wege der Verständi-gung den unvermeidlichen Gegensätzen die feindselige Spitze zunehmen, das war schon sein Grundsatz in Brasilien gewesen.Und die Wohlthat seiner ungewöhnlichen Toleranz erfuhren nichtblos die katholischen Unterthanen. Charakteristisch für den seltenenMann ist auch die ablehnende Antwort, die er einst auf einGesuch der clevischen Stände ertheilte, als diese von ihm einobrigkeitliches Verbot des Wuchers der Juden verlangten. Mansolle jenen, so schlug der Fürst vor, doch erst mindestens dieRechte einräumen, welche die fremden christlichen Lombardenin Holland genössen.
Alles bei ihm gipfelte in dem Wunsch nach veredeltem,behaglichem Lebensgenuss; das war der Angelpunkt seinesFühlens, Denkens und Handelns. Keinem Feldherrn des 17. Jahr-hunderts war darum der Krieg so wenig Endzweck als ihm.Und dennoch strebte er mit allem Eifer nach dem höchstenmilitärischen Range. Seine in Kriegszeiten an den Kurfürsten
*) Urkunden und Aktenstücke.