Schmiimiismus.
289
mehrere Tage lang; wie wir gesehen haben, ist auch die Artseiner Bestattung von der aller anderen Tlinkit verschieden.Der Leib des Schamanen soll niemals verwesen, weil einer derersten Geister immer bei ihn: bleibt, sondern trocknen wie gedorrterLachs; auch sollen die Zweige niemals auf das Grab einesSchamanen fallen, sondern immer daneben; die Pfähle aber,auf welchen das Grab errichtet ist, sollen zu derselben Zeit ver-modern, sodaß sich das Grab gleichmäßig auf die Erde senkt,weder das Fuß- noch das Kopfende zuerst.
Die großen Schamanenvorstellungen werden nur zur Winters-zeit, während des Neu- oder Vollmondes, aufgeführt. Die Scha-manen rufen dabei feierlich ihre Geister herbei, damit sie in demkommenden Jahre dem Dorfe, den Verwandten und ihnen selbstGlück zu teil werden lassen und Krankheiten von ihnen abwenden.
Von dein Morgen des für die Vorstellung bestimmten Tagesbis znm nächsten Morgen darf niemand von den Verwandtendes Schamanen, welche ihm bei der Ausübung seiner Künste be-hülflich sind, etwas essen noch trinken; tags zuvor reinigen siesogar ihren Magen durch ein Brechmittel, indem sie Wassertrinken und dann durch eine Feder, die sie in den Schlund stecken,einen Brechreiz verursachen.
Wenn die Sonne sich zum Untergange neigt, begeben sichalle in die für die Vorstellung bestimmte Hütte, welche möglichstgereinigt und um das Feuer herum mit neuen Brettern belegtworden ist. Sogleich beginnen die Gesänge, die von den Männernund Frauen zusammen gesungen werden, wobei der Takt anseiner Trommel, die sich stets zur Rechten vom Eingänge ausbefindet, angegeben wird. Nachdem der Schamane seine Fest-tracht angelegt hat, beginnt er um das Feuer herumzulaufen,und zwar immer in demselben Sinne wie die Sonne, krümmtseinen Körper in gewaltsamer Weise nach dem Takte der Trommelund der Gesänge, bis ihm schließlich die Augen, welche währendder ganzen Zeit nach der Ranchöffnung gerichtet sind, ganz ver-dreht im Kopfe stehen. Plötzlich bleibt er stehen, richtet seinenBlick auf die obere Seite der Trommel und schreit laut auf.Sogleich verstummen Trommel und Gesänge, und aller Augensind auf den Schamanen gerichtet; denn aus ihm spricht derGeist, der in ihn gegangen ist.
Krause, Tlinkit-Jndianer.
19