Druckschrift 
Die Tlinkit-Indianer : Ergebnisse einer Reise nach der Nordwestküste von Amerika und der Beringstraße ausgeführt im Auftrage der Bremer Geografischen Gesellschaft in den Jahren 1880-1881 durch die Doctoren Arthur und Aurel Krause
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Die lebhafte Teilnahme, mit welcher gegenwärtig ethnologischeForschungen verfolgt werden, muß jedem, der mit eigenen Augenden drohenden Untergang der Naturvölker wahrgenommen hat,aufs vollste gerechtfertigt erscheinen. Wohl entbehren noch weiteStrecken unseres Erdballes einer gründlichen Untersuchung ingeographischer und naturwissenschaftlicher Beziehung, noch locktder Entdeckerrnhm den Reisenden in polare Eiswüsten und indas unbekannte Innere der außereuropäischen Kontinente; aberdie natürliche Beschaffenheit der Erdoberfläche verändert sich nurlangsam, und ohne großen Nachteil für den allgemeinen Fort-schritt der physischen Wissenschaften können diese Forschungen, sowichtig sie auch sind, kommenden Geschlechtern überlassen werden.

Die Naturvölker dagegen, bei denen der ruhige Gang derEntwickelung durch die Berührung mit der Civilisation jäh unter-brochen worden ist, gehen aller Orten einer schnellen Umwandlungund Entartung, oder selbst völliger Vernichtung entgegen. Ver-geblich werden sich spätere Jahrhunderte bemühen, die Versäum-nisse, welche die Gegenwart durch die Vernachlässigung der nochvorhandenen Reste dieser Völker sich hat zu Schulden kommenlassen, wieder gut zu machen. Gerade der durch die Erfindungender Neuzeit eingeleitete gewaltige Aufschwung in der Entwickelungdes Menschengeschlechts, der auch die Wissenschaften ans eine kaumgeahnte Höhe gehoben hat, droht einer der jüngsten derselben, derEthnologie, den Boden zu entziehen.

Wohl ist die Wichtigkeit ethnologischer Forschungen allgemeinanerkannt; lehrt uns doch das Studium der Naturvölker die