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Die Tlinkit-Indianer : Ergebnisse einer Reise nach der Nordwestküste von Amerika und der Beringstraße ausgeführt im Auftrage der Bremer Geografischen Gesellschaft in den Jahren 1880-1881 durch die Doctoren Arthur und Aurel Krause
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9. Kapitel.

russischen und fremden Kriegsschiffe den Tlinkit ein Fest zu geben.Bei solcher Gelegenheit pflegten die Indianer alles gewohnteCeremonicll zu entfalten. In phantastischen Putz gekleidet führe,:sie singend und gestikulierend um das Schiff herum, ehe sie sichan Bord desselben begaben. Hier wurden sie dann bewirtet,gewöhnlich mit Reis und Melasse, auch wohl mit stark verdünnten:Grog (sogenannter Sitkamischnng in: Verhältnis von 4 zu 1),wonach sie durch Aufführung von Tänzen den Gastgebern ihrenDank ausdrückten').

Eine nicht minder wichtige Rolle als die Feste, die alsAusdruck friedlicher Gesinnungen anzusehen sind, spielen in den:Leben eines Tlinkit die fast unaufhörlichen Feindseligkeiten derEinzelnen wie der Stämme und Geschlechter gegen einander. —Ein ruhiges, friedliches Dasein kann der Indianer nicht langeertragen. Bei seiner großen Empfindlichkeit und seinen strengenEigentumsbegriffe:: ist Ursache zum Hader immer vorhanden.Für jede körperliche Verletzung, für jede Schädigung an Habund Gut, für Eingriffe ii: fremde Jagd- oder Handelsgebietewird volle Sühne verlangt oder mit Gewalt erzwungen. EhelicheUntreue, Spiel und Trunkenheit geben gleichfalls häufigenAnlaß zun: Streite. Ein friedlicher Ausgleich ist freilich dieRegel. Rach vielen Drohungen und nach langen Verhandlungeneinigt man sich über die zu leistende Buße, wobei der Grundsatzder gleichwertigen Entschädigung fest gehalten wird. Ein Ver-söhnungsfest, bei welchem die büßende Partei Geschenke verteilt,beschließt dann die Episode ch. Oesters ist es sogar bei den:

-) Welcher 1, 100.

2) Als ein Häuptling der Stakhins, Fernandeste genannt, der zu einemVerhör nach Portland geführt werden sollte, sich während der Reise das Lebengenommen hatte, weil er, wie cs hieß, über sein Schicksal beunruhigt wordenwar, verlangten die Angehörigen im Jahre 1875 vom General Howard Ent-schädigung, indem sic anführten, daß sic von den anderen Indianern Feiglingegescholten würden, weil sie für den Tod keine Rache genommen hätten. Umdie Stakhins zu beruhigen, zahlte Howard 100 „IMuüivtij" und lieferte denLeichnam Fcrnandestcs ans. — Die Versöhnung wurde in der darauf folgendenNacht durch ein großes Fest gefeiert, bei welchem, wie Howard berichtet, dieWegführnng, der Tod und die Wiederbringung Fernandcstes, sowie der Besuchdes Kriegsschiffes und die Beilegung des Streites symbolisch dargestcllt wurden.

(LonArssÄoinrl 1'n^srs. 11. o. kt. 44. 6onAr. 1. 8sss. kix. voo. 83.)