Paschalis' II. Beziehungen zu König Philipp I. u. zum Thronerben Ludwig. Z7
Jetzt aber, nach der Kirchenversammlung von Guastalla, hattePaschalis II. sein Augenmerk durchaus auf Frankreich, und zwarvoran auf den königlichen Hof, geworfen; denn schon stand jetztneben dem alternden königlichen Vater, der zudem trotz aller Ver-sprechungen seine von der Kirche verdammten Beziehungen zuBertrada wieder ausgenommen hatte, der Thronerbe Ludwig, derSohn der rechtmäßigen Gemahlin Bertha, in der Führung der that-sächlichen Negierung, ganz besonders in der Leitung der kriegerischenAufgaben des Reiches. Der später so hervorragende geistliche Staats-mann von Frankreich, Suger, der, zu dieser Zeit noch ein einfacherMönch von St. Denis, doch schon den öffentlichen Angelegenheitenseine Aufmerksamkeit schenkte, hat nachher in seiner LebensbeschreibungKönig Ludwig's VI. die Ursache, aus der sich Paschalis II. ent-schloß, statt nach Deutschland zu gehen, Frankreich aufzusuchen, gutzusammengefaßt: der Papst sei mit vielen und sehr weisen Männern,Bischöfen und Cardinälen und einem Begleit von römischen Edelnin die westlichen Länder gegangen, um den französischen König undseinen Sohn Ludwig, den zur Nachfolge ernannten König, unddie gallische Kirche über gewisse Belästigungen und neue Klagenin Betreff der kirchlichen Investitur zu berathen, mit denen ihnHeinrich V. theils schon beunruhigte, theils noch mehr zu beunruhigendrohte: „Es wurde also in Rom beschlossen, wegen der auf Be-stechung beruhenden Treulosigkeit der Römer über die hier erörterten,vielmehr über alle Fragen mit der Beistimmung des Königs unddes Sohnes des Königs und der gallischen Kirche sicherer in Frank-reich, als in Rom, zu verhandeln" ^).
Von Clunr>2) begab sich Paschalis II. auf den Weg durchverschiedene Landschaften Frankreichs und kam dabei am drittenSonntag vor Ostern bis nach Tours; das hohe Fest — am14. April — feierte er in Chartres^). Wenigstens einer deutschenKirche wandte er in dieser Zeit seine Sorge zu. Auf eine ineiner Fülle biblischer Citate sich bewegende dringliche Aufforderungder Brüder der Straßburger Kirche, zu ihnen zu kommen, den ver-
2 ) Suger wirft da — Vita Imäoviei Orossi — einen bezeichnenden Blickrückwärts auch noch auf Heinrich's V. Verhalten zu seinem kaiserlichen Vater:Henrieu8 Imperator, vir atlsotus patsrui st toeius bumauitatis sxpsrs, guist gsnitorsm üsnrieum eruäslissims psrsseutus sxbsrsäavit, st, ut ksrsbatur,usguissima oaptious tsusus, inimicorum vsrberibus st iujurüs, ut iuwAuia,regalia, viäsliost Icorouam, 8esxtruru st lauesam sauet! Äaurieii, rsääsrstuss aliguiä in toto reguo proprium rstiusrst, impÜ88ims eosgit (88. XXVI,49). Vergl. zu diesen ,Beziehungen Paschalis' II. zu Frankreich Luchaire,Imuis VI. >s 6ros, Vnu-Uss äs sa vis st äs 8vu rtzzus (OXX1II ff., 25 ff.), so-wie desselben Abtheilung in Lavisse, Ilistoirs äs Graues äspuis Iss origiussiusgu'g, la rsvoiution, II. 2, 174 u. 175, 311 ff.
P Vergl. ob. S. 35.
^) ä. 6113—6133 zeigen den Papst in dem ersten Dritteljahr an einergroßen Zahl von Orten auf burgundischcm und französischem Boden. Sugerbezeugt für den 9. Mürz — aä Oaritatsm (Weihe des Klosters La Charits-sur-Loire) — seine eigene Anwesenheit: 6ui eousserationi st uos ipsi intsr-luimus (I. s.).