Ueberführung der Leiche nach Speier. Unterwerfungen unter Heinrich V. 11
Der Tod Heinrich's I V. setzte der ganzen Verbindung der An-hänger, die noch ein letztes Mal treu zu seiner Sache gehaltenhatten, ein völliges Ende. Es verstand sich von selbst, daß jetztAlle sich beeilten, mit dem Nachfolger, König Heinrich V., ihrenFrieden zu machen. Ganz zutreffend faßte der Urheber jenes Nach-rufes au den Kaiser diese Wirkung in die Worte zusammen: „Nachdiesem Ausgang der Dinge ließen die, die gegen die königlicheHoheit den Krieg unternommen hatten, da ihre Hoffnung gestorbenwar, ihren Muth und ihre Kräfte sinken und nahmen, was injeneni mißlichen Stande der Dinge zu thun nothwendig war, zurGnade des Königs in Ergebung, in Geldzahlung, wie ein jeder aufjegliche Weise vermochte, ihre Zuflucht" ").
Zu den Ersten, die sich in solcher Art in die neuen Verhält-nisse einfügten, zählte Bischof Otbert von Lüttich, der ja schon inder Frage der Beisetzung der Leiche Heinrich's IV. in Lüttich, umnicht der Ausschließung aus dem kirchlichen Verbände ausgesetzt zubleiben, nachgegeben hatte und dabei auch von einer aus ihmliegenden kirchlichen Strafe gelöst worden war. Wie hier schonerzählt worden ist, war auf den Befehl des Königs, ohne weiterenWiderstand von Seite des Bischofs, während freilich das Volk sichnicht scheute, seine Anhänglichkeit so nachdrücklich fortwährend zubezeugen, der Sarg des Kaisers von Lüttich weggebracht worden.
ictsm (88. VII, 545, IX, 540, XVI, 108, XII, 399). Auch die äiwal. 8. visi-boäi sprechen davon: pater .... 8piram äsportatuo, in gnnilckain ässsrtaineeelemolam äeponitur insspultuo, pro so guoä a tot et tantio patribu8 tantotsinpars psrmanswsst sxeonnnuincatus (88. XVII, 19). Otto von Freising,6s8ta bViäeriei impsr., lob. I, c. 10, erweckt die irrige Vorstellung, Heinrich IV.sei alsbald nach dem Tode im Dome non Speier jnxta patrem, avurn iinpsra-torss eultn rsgio bcigesetzt worden (88. XX, 358).
^") Ans eine Inschrift, die vielleicht an Heinrich's IV. erste vorübergehendeBeisetzung erinnert, macht der vom kgl. Rcgiernngsrath Bcrthold verfaßteJahresbericht — Mitteilungen des historischen Vereins der Pfalz, Scpar. Ab-druck ans Heft XXVI —, 28, aufmerksam. Die bei den Ausgrabungen derKaisergräber im Dom zu Tage gebrachte alte Inschrift, an der Nordvicrungs-wand, etwa 1,50 Meter über dem Gruftboden, die ursprünglich kaum zur Schau— zwar kunstlos, aber doch gewandt — eingcritzt war und bald wieder in derVerschüttung verschwunden sein wird, enthält — nach der äußerst gefälligenbrieflichen Mittheilung des Verfassers des Jahresberichtes, vom 8. Mai 1904 —in einer ersten Zeile: XIII Ir. oot., in einer zweiten: VI, in einer dritten: III,in der vierten untersten: zwei senkrechte Striche und Ir; sie ist in der Ent-fernung von 60 Centimetern unter dem oberen Rande der Mauer, über der sichHeinrich's IV. Sarg erhebt, und zwar scheint, nach Allem zu schließen, die In-schrift von der Hand eines auf den alten Stufen stehenden Mannes eingeritztworden zu sein. Würde die oberste Zeile auf den Tag, die zweite auf das Jahrbezogen werden dürfen, so käme der 19. September 1106 heraus. Doch stehendieser Deutung ans den Tag der Beisetzung auch Schwierigkeiten gegenüber.Denn wenn mit dem Jahresberichte, 28, die Vollendung der Zuschüttung desGanges zu 1101 angcsetzt wird, ist es schwer verständlich, wie noch von derTreppe aus die Einritzung geschehen konnte, wenn auch wohl 1106 der Nord-zugang, so weit nöthig, wieder offen gelegt wurde, als Heinrich's IV. Sargausgenommen werden sollte-
") Es ist die letzte historische Nachricht der Vita, e. 13 (88. XII, 283).