65
so konnten es doch nur jene Trugbilder seyn, welche zuverachten ihn Mejnour gelehrt hatte. Ein schattenhafterLöwe — ein chemisches Phantasma! Still! still! er ver-lor seine halbe Ehrfurcht vor Mejnour, wenn er dachte,daß der Weise durch solche Streiche könnte wirken wollenauf den Geist, den er selbst geweckt und gelehrt hatte!Immer noch widerstand er aber dem Drange seiner Neu-gier und seines Stolzes, und um ihren Zuflüsterungen zuentgehen, machte er große Ausflüge auf den Bergen oderin den Thälern, welche das Schloß umgaben, und suchtedurch körperliche Anstrengungen den rastlosen Geist zubeschwichtigen. Eines Tages, als er plötzlich aus einerdunkeln Schlucht hervortrat, stieß er auf eine jener italie-nischen Scenen ländlicher Festlichkeit und Freude, in wel-chen die klassische Zeit wieder aufzuleben scheint. Es warein halb religiöses, halb auf den Feldbau bezüglichesFest, welches die Bauern dieses Bezirks jährlich hielten.Versammelt in der Umgebung eines Dorfes, bildeten sichbelebte Schaaren, eben zurückgekehrt von der Prozessionnach einer nahen Kapelle, jetzt in Gruppen, die Alten umden Wein zu kosten, die Jungen um zu tanzen, Alte umheiter und glücklich zu seyn. Dieß ihm Plötzlich sich auf-drängende Bild behaglicher Freude und sorgloser Unwissen-heit, einen so starken Contrast bildend mit den angestreng-ten Studien und dem lechzenden Verlangen nach Weisheit,worin seit so langer Zeit sein ganzes Leben bestand, unddas in seinem Herzen brannte, machte einen lebhaftenEindruck auf Glyndon, Wie er in einiger Entfernung