Druckschrift 
3 (1834)
Entstehung
Seite
90
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Leben unsäglich zahm und unergniklich. Und gleich-'wol sprach mich die dem dichterischen Karakter an-gemessene Thatlosigkeit mehr an, als fcne scharfe,unkontemplativc Rührigkeit, die allein dem Lebengrose Erfolge abzngewinnen vermag. .Sinnen warmein natürliches Element. Ich brachte den Mittaggern an irgend einen .schattigen Bach gelehnt zu,.wo ich in halbem Schlummer Bilder ans denglänzenden Sonnenstralen gestaltete; eine nebelnde,unwirkliche Art der Philosophie, die meiner Na-tion cigenthümlich angchört, war die Lieblings-beschäftigung meines Geistes. Unter dem Dun-keln und Verborgenen suchte ich die Abwechs-lung und Aufregung die ich im Alltäglichennicbt fand. Da ich aus diese Weise stets die Wirk-samkeit der inner» Seelenkräfte beobachtete, fielmirs znlezt ein, es sei, sofern der Schlaf seine eigene,wenn auch noch rohe und zerrissene Welt habe, viel-leicht möglich aus seinem Kaos all die Vorstellun-gen von Schönheit, Kraft, Herrlichkeit und Liebezur Erscheinung zu bringen, welche mir in derWelt, worin meine Leiblichkeit wandelte und ihrWesen hatte, versagt waren. Sobald dieser Ge-danke über mich gekommen, nährte und pflegte rchihn und brütete darüber, bis die Einbildungskraftdas gewünschte Wunder zu verwirklichen begann.Indem ich vor Schlafengehen mit aller Kraft meinerSeele über eine bestimte Gedankenreihc, über ir-gend eine Schöpfung meines Innern nachsann; in