56
manche Schriftsteller cs poetische Gerechtigkeit ge-nannt haben, wenn sic den Guten endlich durchNeichthum, Ehre, Liebe oder sonstiges Gelingen sei-ner Wünsche glücklich machen. Selbst in der Poesiekann etwas Unwahres nicht Gesetz scpn, und jenesangebliche moralische Gesetz ist höchst unwahr*). DieTugend ist gegen die Ucbcl des Schicksals nicht ge-borgener, als das Laster, aber stets hat sie in sichselbst die Kraft denselben zw widerstehen, und zu-weilen ein Sänftigungsmittel gegen die Schmerzendieser Uebcl: Um Ihre Citation aus Tibull zu cr-wicdcrn:
6rurs Sonant kerro, seck canit ioter Opus!
Als ich in den Tiefen meiner Seele der Gottheitdieser uicdcrn Erde einen Altar errichtete, die Bru-tus nie wirklich erkannte, falls er wirklich an ihremDascp» zweifelte weil er im Wirken für sie unglück-lich war, sprach ich in dem stolzen Gebet, womit ichmich an sic wandte: „„Armuth mag mein Loos er-niedrigen, aber Dich soll sie nicht entwürdigen; Ver-suchung mag meine Natur erschüttern, aber nicht denFelsen auf welchem Dein Tempel gegründet ist; Miß-geschick mag alle Hoffnungen einwelkcn, die um Dei-nen Altar her blühten, aber ich will Dir verdorrte
*) Gleichwohl hat es der Verfasser ubthig gefunden,Mordaunt aus dein Elend seiner äußerlichen Lagewieder zu erheben!
Der Ueberstyer.