zu unserem eigenen. Beim Ucbcrlcscn und Bedenkendieser Wahrheiten empfand ich, daß eine große Wie-dergeburt eine neue Welt aus den früheren Bestand-thcilcn meines Gcmüthcs erschaffe. Meine Leiden-schaften , die ich zuvor zur Wirkungslosigkeit cinge-fcffclt oder zur Zerstörung gebraucht hatte, richtetensich in edlerer Gestalt auf und bereiteten sich zu einerneuen Laufbahn: statt auf persönliche Erhebung hin-zuarbcitcn, strebten sie nach-dem allgemeinen Bestenund suchten den Lohn der Ehrbcgicrdc nur als einenTriumph der Menschenliebe."
„Dies ist eine Stufe zur Tugend; — ich kannnicht umhin zu glauben, daß cS noch eine höheregibt: diese ist da, wo wir die Tugend nicht um ihresZieles, sondern um ihrer selbst willen lieben. Znder Erkcnntniß liegen nämlich zwei große Vorzüge:Der erste ist, daß sie jeden Menschen, dem selbst-süchtigsten, wie dem großsinnigstcn, einen bcsondcrnAnreiz zum Guten leiht. Zu Jenem sagt sic: „Dieneden Menschen und Du dienst Dir selbst;" zu Diesem:„Bei der Wahl der besten Mittel zu Deinem eigenenGlück wird Dich der erhabene Trieb zur Förderungdes allgemeinen Mcnschcuglücks leiten." Der zweiteVorzug der Erkcnntniß ist, daß sogar der selbstsüch-tige Mensch, wenn er einmal die Tugend aus klei-nen Beweggründen lieb gewonnen hat, diese Be-weggründe mit dem Zuwachs der Liebe verliert, undendlich die Gottheit selbst anbctct, wo er früher bloSdas Gold auf ihrem Altar suchte. So lernte ich