Druckschrift 
7 (1836)
Entstehung
Seite
47
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Ausspruch/Tugend ist Religion." Ich vernahmcs und dcmiithigte mich vor der heiligen Schrift.Lassen Sic mich hoffen, daß meine Demüthigungnicht vergebens gewesen; aber ich ward durch denAusspruch mehr scheu, als befriedigt; denn entwederbeschränkte er die Tugend auf den bloßen Glauben,oder er dehnte sic auch auf Werke aus, und erwei-terte eben damit auch die Untersuchung was fürWerke ansgcübt werden sollten. Wer vermochtejedoch sich mit der ersten Auslegung des Sprucheszufrieden zu geben? Denn während man in dervollständigen Anwendung der Lehren unserer Reli-gion jede Tugend finden kann, finden wir in ihrerbloß passiven Ausübung, in dem bloßen Glauben anihre Göttlichkeit, ein Werkzeug das sich eben so wohlzum Guten als zum Bösen gebrauchen läßt: dieFackel, welche den Altar erleuchten sollte, hat auchden Scheiterhaufen angczündct, und der GlaubcnS-cifer des Verfolgers war nicht minder aufrichtig, alsdas Hcldcnthum des Märtyrers. So verwarf ichdenn die erste Interpretation und nahm die zweitean: Ich trug das freudige Gefühl in meinem Her-zen, daß in der Ausübung der Religion der Keim zujeder Tugend gefunden werden könne. Hatte ichaber in dieser Ucbcrzcugung zugleich eine Antwortauf meine Forschungen? Reichte der bloße Wunschnach dem Guten zur Erreichung des Guten hin, undwar der Versuch zur Tugend gleichbedeutend mitihrem wirklichen Besitz? Haben im Gcgcntheil nicht